Coboat: Auf dem Coworking-Katamaran um die Welt

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Foto: Nicolas Claris/coboat.org
Foto: Nicolas Claris/coboat.org

Von dieser Arbeitsumgebung träumt wohl jeder: strahlend blauer Himmel, türkisenes Wasser und der Blick auf einen tropischen Palmenstrand. Auf dem Coboat, dem ersten schwimmenden Coworking Space der Welt, bald ganz normal. Wir haben mit Gerald Schömbs, einem der vier Coboat-Macher, über sein aktuelles Projekt, Social Entrepreneurship, Piraten vor der somalischen Küste und Präsentationen unterm Sternenhimmel gesprochen. Und zwar an einem für ihn mittlerweile ungewöhnlichen Ort – in den Räumen seiner Berliner Agentur.

Hallo Gerald, schön dich zu treffen. Häufig bist du ja nicht mehr hier, oder?
Ja, das stimmt. In den letzten Jahren bin ich tatsächlich mehr und mehr zu einem Digitalen Nomaden geworden.

Dann warst du am Wochenende sicherlich auch auf der DNX Global, oder?
Klar, wir waren mit dem Coboat sogar Partner und die Organisatoren sind zwei der ersten Unterstützer unseres Projektes. Wir haben viele sehr interessante Gespräche geführt, wertvolle Kontakte geknüpft und erste Gäste des Coboats kennengelernt – obwohl es erst im November losgeht. Wir haben dort sogar Tickets verkauft.

Mit dem Coboat bietet ihr den wahrscheinlich außergewöhnlichsten Coworking Space der Welt an. Worum geht’s?
Coboat ist der erste Coworking Space auf einem Katamaran, der um die Welt segelt. Ein völlig neues Konzept in der noch jungen Coworking- und Digital-Nomad-Landschaft. Die DNX Global hat uns aber gezeigt, dass wir mit dieser Idee genau zum richtigen Zeitpunkt am Start sind. Die Szene befindet sich gerade in einer Experimentierphase und es macht wahnsinnig viel Spaß, Teil der Entwicklung zu sein und sie mitzugestalten.

Wie kamt ihr denn auf die Idee?
Die Idee ist in einem Coworking Space in Koh Lanta entstanden. Meine drei Mitstreiter saßen dort eines Abends bei einem Bier zusammen und sprachen darüber, wie toll sie Coworking, aber auch das Segeln finden – und ob man das nicht mal miteinander kombinieren könnte. Am Ende des Abends war die Idee des Coboats geboren. Das war im März dieses Jahres.

Also noch gar nicht lange her…
Das stimmt. Schon einen Monat später wurde dann die Coboat Ltd. gegründet. Ich habe von dem Projekt Mitte April erfahren und bin Anfang Mai als vierter Partner eingestiegen. Ein paar Tage später haben wir das Projekt Coboat erstmals auf der DNX in Berlin vorgestellt – und wahnsinnig tolles Feedback erhalten. Ende Juni ging dann die Webseite online und jetzt, fünf Wochen später, können wir voller Stolz verkünden, schon 100 Wochentickets für das Coboat verkauft zu haben.

Wow, ihr legt ja ein Tempo vor…
Wir haben uns dafür entschieden, das Projekt sehr agil anzugehen und nicht alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen. Sonst wären wir jetzt noch lange nicht da, wo wir sind.

Und das alles, ohne dass ihr euch überhaupt jemals zu viert getroffen habt…
Richtig, James habe ich jetzt erstmals auf der DNX Global persönlich getroffen, Tommy noch gar nicht. Ich hoffe, dass wir uns Ende des Monats in Phuket erstmals alle treffen.

Gerald Schömbs ist einer der vier Coboat-Macher
Gerald Schömbs ist einer der vier Coboat-Macher

Das Projekt Coboat selbst ist also das beste Beispiel dafür, was mit ortsunabhängiger Arbeit, mit virtuellen Teams und Collaborations-Tools möglich ist.
Absolut! Wir nutzen an Tools mittlerweile vor allem geschlossene Facebook-Gruppen. Daneben den Facebook Messenger, Google Docs und natürlich Skype für Videokonferenzen. So arbeiten wir seit drei Monaten täglich zusammen, ohne uns jemals an einem Ort getroffen zu haben. Das Schöne ist, dass wir alle schon das eine oder andere Unternehmen gegründet haben. Jeder von uns weiß, worauf es ankommt. Dadurch konnten wir das Projekt mit großer Zuversicht angehen, auch ohne alles bis zum Ende durchgeplant zu haben. Es vergeht allerdings kaum eine Woche, in der sich nicht irgendeine Vollkatastrophe ereignet (lacht).

Ein Beispiel bitte…
Ein schönes Beispiel ist die Versicherung. Um von Dubai in die Türkei zu kommen, müssen wir durch den Golf von Aden – eine Gegend, in der dummerweise hohes Piraten-Risiko herrscht. Keine Versicherung der Welt sichert einen hier ohne weiteres ab. Die Optionen heißen: ums Kap von Afrika segeln – was uns Monate kosten würde; bewaffnete Kräfte an Bord nehmen – auch nicht besonders verlockend; den Katamaran auf einen Yachttransporter laden oder in einer vom Militär geschützten Flottille mitsegeln. Für Letzteres sind wir leider zu langsam, würden irgendwann zurückfallen und zu einem gefundenen Fressen für die Piraten werden. Wir werden uns also wohl für den Transporter entscheiden. Aber keine Sorge: Diese Überführungspassage wird ohne Gäste an Bord stattfinden.

Auch jetzt befindet sich das Boot gerade auf einer Überführungspassage nach Phuket, wo es den finalen Schliff bekommen soll, bevor es dann Ende des Jahres losgeht. Erzähl uns doch mal was über das Boot.
Das Coboat ist mit 82 Fuß (rund 25 Meter) ein ziemlich großer Katamaran, auf dem es Platz für 20 Gäste geben wird, die in Zweierkajüten untergebracht sind. Dazu kommen vier Crew-Mitglieder: ein Skipper, ein Koch, ein Deckhand und ein Community Manager…

…der was macht?
Der soll dafür sorgen, dass neben dem reinen Arbeiten auch Arbeiten im Sinne von echtem Coworking stattfindet. Denn auf dem Coboat stehen natürlich der Austausch und die Inspiration im Mittelpunkt.

Was heißt das genau?
Wir werden so genannte Skill Sessions veranstalten, Leute können ihre Projekte präsentieren, um Feedback zu bekommen. Dabei werden die unterschiedlichsten Disziplinen aufeinander stoßen, vom App-Entwickler über Gründer bis zu Autoren, Musikern und Fotografen. Letztlich werden Menschen aus allen Bereichen, in denen freelancende und mobile Arbeit möglich ist, zusammen kommen. Und zwar aus der ganzen Welt. Wir haben jetzt schon Feedback aus fast 50 Ländern und haben auch schon Partnerschaften mit Coworking Spaces auf allen Kontinenten geschlossen. Das wird ein sehr kreatives und inspirierendes Miteinander an Bord werden.

Ihr sprecht auf eurer Webseite auch vom Coliving. Was ist damit gemeint?
Na ja, anders als in einem normalen Coworking Space geht man natürlich abends nicht nach Hause, sondern verbringt 24 Stunden miteinander – und das mindestens eine Woche lang. Das heißt, hier kommen im Grunde drei Komponenten zusammen: das Arbeiten, der Austausch und  – etwa nach dem Motto „Work hard, play hard“ – auch der Spaß. Das Coboat kommt also einem Coworking Camp noch am nächsten, bei dem man sich zwei oder drei Wochen auf Teneriffa einmietet. Dort ist der Fun Part häufig das Kiten oder Surfen, bei uns ist es eben das Tauchen, Schnorcheln und das Segeln. Letzteres kann man übrigens auf dem Coboat auch lernen.

24 Personen auf einem Katamaran – wird das nicht etwas eng?
Nein, das Boot ist so groß, dass man sich nicht andauernd auf der Pelle hocken muss. Auf 25 Meter Länge ist verdammt viel Platz. An Bord gibt es einen großen Salon und das Achterdeck, die jeweils Raum für 20 Leute bieten. Dazu gibt es eine Trampolin- und Lounge Area und als oberste Etage eine Art Sonnendeck. Auch die Kajüten sind etwas geräumiger als normalerweise auf einem Segelboot, man kann zum Beispiel auch die Betten auseinanderrücken, was eher ungewöhnlich ist.

Welche Form von Arbeitsplätzen wird es geben?
Wir sind aktuell dabei, den eigentlichen Coworking-Bereich zu konzipieren. Wir werden auf jeden Fall verschiedene Arten von Arbeitsplätzen einrichten: Stehpulte, höhenverstellbare Tische, eher loungige Bereiche und Gruppenarbeitsplätze.

Wie sieht es mit der technischen Ausstattung aus?
Es wird einen großen Screen geben, auf dem man Präsentationen abhalten kann, außerdem eine Outdoor-Projektionsfläche, so dass man auch unterm Sternenhimmel mit einem Beamer seine Charts aufs Segeltuch werfen kann. Wir werden natürlich immer und überall Internetverbindung haben, in Küstennähe per Mobilfunknetz und auf See per Satellit. Wir streben 20 Mbit/s Download Minimum an. Da befinden wir uns aber noch in der Verhandlungsphase mit verschiedenen Anbietern. Das werden Technologien sein, die auch bei großen Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommen.

Was kostet denn ein Trip auf dem Coboat?
Aktuell befinden wir uns noch in der Early-Bird-Phase, die jedoch Mitte/Ende August enden wird, wenn wir die finale Route veröffentlichen. Bis dahin kann man sich noch 10% Rabatt sichern. Die regulären Preise werden dann 140 Euro pro Nacht betragen. Erhältlich sind Wochen- und 28-Tage-Tickets, die natürlich auch beliebig kombinierbar sind. Für echte Enthusiasten bieten wir auch ein Jahres-Ticket an.

Seit letzter Woche steht fest: Das Coboat wird unter der Flagge Vanuatus segeln
Seit letzter Woche steht fest: Das Coboat wird unter der Flagge Vanuatus segeln  (Foto: Pilar Schacher/pilarschacher.de)

Was beinhaltet das Ticket?
Neben der Übernachtung sind drei Mahlzeiten am Tag und nichtalkoholische Getränke enthalten. Zusätzlich haben wir auch eine ganze Menge „Spielsachen“ dabei, die benutzt werden können. Also Sportgeräte wie Schnorchelequipment usw. Wir haben auch Tauchausrüstung an Bord und man kann unterwegs sogar seinen Tauchschein machen, vom Paddy Open Water bis zum Dive Master. Das kostet dann aber extra.

Und wie kommt man aufs Boot?
Man kann wöchentlich zu- und aussteigen. Dazu werden wir jeden Samstag in der Nähe eines „erreichbaren“ Ortes sein, zu dem man also per Flug oder Fähre kommen kann.

Wie sieht so ein normaler Tag auf dem Coboat aus?
Es wird nicht so sein, dass wir jeden Morgen aufbrechen, den ganzen Tag segeln und dann abends irgendwo festmachen. An einem typischen Tag setzen wir eher mit Sonnenaufgang die Segel und sind dann schon zum Frühstück in einer Bucht, wo wir den Tag verbringen, um in Ruhe arbeiten, workshoppen und tauchen zu können. Aber jede Woche wird anders sein, ab und an muss man auch mal größere Passagen überbrücken. Das wird aber alles in den entsprechenden Reiseabschnitten auf der Webseite kenntlich gemacht.

Das Coboat soll ein nachhaltiges Projekt sein. Was bedeutet das genau?
Wir wollen zum einen so umweltfreundlich wie möglich sein, weshalb wir das Boot mit Elektromotoren umrüsten und auf Solarenergie setzen werden. Wir wollen aber auch bezogen auf die Orte, die wir besuchen, nachhaltig sein und dort Spuren hinterlassen – im positiven Sinne.

Wie sieht das aus?
Wir sehen das Projekt als Social Entrepreneurship, das heißt, dass wir soziale Projekte unterstützen – sowohl finanziell als auch intellektuell. Das Coboat ist, nebenbei gesagt, ein komplettes Non-Profit-Projekt. Wir vier sind in der glücklichen Lage, beruflich so weit etabliert und abgesichert zu sein, dass wir mit dem Coboat kein Geld verdienen müssen. Uns geht es in erster Linie um Leidenschaft – Leidenschaft fürs Segeln, fürs Tauchen und für die Zusammenarbeit mit kreativen und inspirierenden Menschen.

Eine letzte Frage: Ihr segelt unter der Flagge Vanuatus. Wieso ausgerechnet der pazifische Inselstaat?
Super, oder? Dort leben die glücklichsten Menschen der Welt.

Das ist der Grund?
Nein, das hat pragmatische Gründe. Die enorme Geschwindigkeit des Projekts sorgt dafür, dass wir die kürzesten Wege gehen müssen. Das Flaggenzertifikat von Vanuatu ist einfach am schnellsten zu bekommen gewesen. Das war aber in diesem Fall keine schlechte Wahl: Die Flagge ist sehr schön und trägt Symbole von Frieden und Wohlstand in sich. Außerdem wollen wir uns dort auch engagieren. Vanuatu wurde ja im Frühjahr dieses Jahres von schweren Wirbelstürmen verwüstet und wir würden gerne einen Teil zum Wiederaufbau beitragen.

Das hört sich alles fantastisch an. Ich danke dir fürs Gespräch, Gerald, und wünsche euch viel Erfolg mit dem Coboat.

Alles zum ersten Coworking Space auf hoher See findet ihr auf der Webseite des Coboats. Wer Lust hat, bei dem Projekt Coboat mitzumachen, kann sich dort aktuell sogar noch als Community Captain bewerben.

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