Glücksatlas: Arbeit und Mobilität im Spannungsverhältnis

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Entspannt zur Arbeit laufen – für viele ein unerreichbarer Traum / Foto: rawpixel auf pixabay

Der Norddeutsche gilt ja allgemein eher als entspannt-zurückhaltend. Ob das in sich Ruhen aus einer allgemeinen Zufriedenheit gespeist wird oder umgekehrt das nordische Naturell für einen erhöhten Wohlfühlfaktor sorgt, ist nicht hinreichend geklärt. Fest steht jedoch, dass die Schleswig-Holsteiner die bundesweit glücklichsten Menschen sind, wie der aktuelle Glücksatlas herausgefunden hat. Das Zufriedenheitsschlusslicht bildet Brandenburg.

Sonderauswertung „Arbeit und Mobilität“

Viel interessanter in dieser achten Ausgabe der Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen ist jedoch die Sonderauswertung zu Arbeit und Mobilität. Denn – und das ließ das jüngst ausgestrahlte Inforadio-Special „Total verpendelt“ bereits erahnen – Arbeit und Mobilität stehen in einem Spannungsverhältnis, das nicht zuletzt auch die allgemeine Lebenszufriedenheit beeinflusst.
Für den Glücksatlas wurde nun untersucht, wie sich die zunehmende Verkehrsbelastung auf die persönliche Arbeits- und Lebenszufriedenheit auswirkt und was Erwerbstätige von Lösungsansätzen wie Homeoffice, E-Mobilität und Digitalisierung halten.

Langstreckenpendler am unzufriedensten

Rund 60 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande pendeln zu ihrer Arbeit – mal mehr, mal weniger lange. Während der Großteil nur kurze Strecken pendelt und im Wesentlichen mit dem Arbeitsweg zufrieden ist, leiden vor allem Langstreckenpendler. Mehr als die Hälfte von ihnen sagt, dass sich das Pendeln negativ auf die Lebensqualität auswirke, nur gut jeder Dritte bewertet diese mit den Top-Werten 9 oder 10.

Langes Pendeln verringert die Lebensqualität
Langes Pendeln verringert die Lebensqualität / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Einfluss hat das Pendeln bzw. dessen Dauer dabei sowohl auf die Arbeits- als auch auf die Lebenszufriedenheit allgemein. Während jeder Dritte mit einem Arbeitsweg von weniger als 20 Minuten mit der Arbeit (top-)zufrieden ist, gilt das nur noch für ein Viertel derjenigen, die mindestens 40 Minuten für den Weg an den Arbeitsplatz benötigen. Und auch in Sachen Lebenszufriedenheit ergibt sich hier je nach Länge des Pendelns ein Gefälle von sieben Prozentpunkten.

Langes Pendeln macht unzufrieden
Langes Pendeln macht unzufrieden / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Dabei gilt: Unter einem langen Arbeitsweg leidet die Bewertung eigentlich positiver Aspekte, während die Bedeutung negativer Aspekte steigt. Und das zum Teil dramatisch. Vor allem Gefühle von verlorener Zeit und Stress steigen mit zunehmendem Weg rasant an.

Langes Pendeln wirkt sich negativ aus / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Homeoffice kann Abhilfe schaffen

Abhilfe gegen den Pendelfrust könnte unter anderem die Arbeit von zu Hause schaffen, auch dieser Aspekt wurde daher in der Sonderauswertung des Glücksatlas berücksichtigt. Das Ergebnis: Bereits jeder vierte Befragte arbeitet täglich oder gelegentlich im Homeoffice, vor allem Führungskräfte (41 Prozent), Akademiker (45 Prozent) und Arbeitnehmer mit längerem Arbeitsweg.

Homeoffice als Alternative zum Pendeln
Homeoffice als Alternative zum Pendeln / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Homeoffice-Nutzer schätzen dabei vor allem die hohe Flexibilität: 86 Prozent von ihnen können sich zu Hause ihre Arbeitszeit besser einteilen und 80 Prozent sind der Auffassung, dass sie Privates und Berufliches besser vereinbaren können. Doch auch die Arbeit an sich geht im Homeoffice leichter von der Hand: Zwei Drittel halten sich zu Hause für produktiver, drei Viertel empfinden die Arbeitsatmosphäre dort als entspannter als im Büro.

Hohe Wertschätzung des Homeoffice durch Nutzer
Hohe Wertschätzung des Homeoffice durch Nutzer / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Kein Wunder also, dass 38 Prozent der Homeoffice-Nutzer ihre Arbeitszufriedenheit mit den Spitzenwerten 9 oder 10 bewerten, während es bei Beschäftigten, die nie im Homeoffice arbeiten, nur 30 Prozent sind.

Auswirkungen der Arbeit im Homeoffice auf die Arbeits- und Lebenszufriedenheit
Auswirkungen der Arbeit im Homeoffice auf die Arbeits- und Lebenszufriedenheit / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Doch warum arbeiten immer noch knapp drei Viertel der Befragten nie im Homeoffice? Die Gründe dafür sind sowohl intrinsischer als auch extrinsischer Natur: Während die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatem für viele ein wesentlicher Vorteil der Telearbeit ist, wollen Homeoffice-„Gegner“ vor allem diese Vermischung vermeiden. Auch das Zukurzkommen sozialer Kontakte oder die Kommunikation rein über digitale Kanäle schreckt viele eher ab. Weit seltener liegt das Nichtnutzen von Homeoffice an unwilligen Arbeitgebern oder fehlendem Equipment.

Zugangsbarrieren zum Homeoffice / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Dabei besteht gerade im Bereich der technologischen Ausstattung noch viel Luft nach oben: Gerade einmal vier von zehn Befragten gaben an, von extern auf das Firmennetzwerk zugreifen zu können, in Sachen Ausstattung mit Laptop, Smartphone oder Headset sieht es noch schlechtert aus.

Potenzial in Sachen digitaler Devices
Potenzial in Sachen digitaler Devices / Grafik: Deutsche Post Glücksatlas 2018

Die Ergebnisse zeigen, dass Pendeln tatsächlich zu einem Problem werden kann, das nicht nur das Erleben der Arbeit, sondern auch die Lebenszufriedenheit insgesamt beeinträchtigt. Die Arbeit von zu Hause ist ein Lösungsansatz gegen den Pendelfrust, allerdings sicher nicht der einzige. Angesichts der Tatsache, dass 68 Prozent der Arbeitswege mit dem Auto zurückgelegt werden, gibt es auch hier Potenzial zu mehr Zufriedenheit. Warum nicht den Weg ins Büro zum Arbeiten in der Bahn nutzen oder die Strecke zur körperlichen und mentalen Fitness auf dem Rad zurücklegen? Wenig ist frustrierender als jeden Tag im selben Trott im Stau zu stehen und ewig nach einem Parkplatz zu suchen.

Im europäischen Zufriedenheitsvergleich steht Deutschland übrigens an neunter Stelle. Auf dem Spitzenplatz befinden sich mit den Dänen interessanterweise die unmittelbaren Nachbarn der glücklichen Schleswig-Holsteiner. Zufall?

Alle Ergebnisse des Glücksatlas 2018 findet ihr hier.

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