Mythos Multitasking

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© Rudie - Fotolia.com
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Cloud Working, Coworking, Home Office: Das sind laut Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation Strukturen in denen wir künftig vermehrt arbeiten werden. Doch richtet sich bei Untersuchungen dieser Art der Blick nur auf die äußeren Umstände der Arbeit. Vernachlässigt wird dabei gerne der menschliche Faktor.

Denn auch das intelligenteste Büro wird uns nicht automatisch die gelernten Verhaltens-weisen und Arbeitsorganisation vergessen lassen. Und einige dieser Arbeitsmuster sind nicht gerade effektiv, kosten Zeit, Energie und natürlich auch Geld. Spitzenreiter unter den Zeitfressern ist noch immer das Multitasking. Wir klären über die gängigsten Mythen auf.

Mythos 1: Multitasking spart Zeit und führt zu gleich guten Arbeitsergebenissen wie sequenzielles Arbeiten

Irrtum! Multitasking kostet mehr Zeit. Eine Untersuchung mit kalifornischen Büroarbeitern hat gezeigt, dass diese im Schnitt alle elf Minuten unterbrochen wurden und danach jedes Mal 25 Minuten benötigten, um zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren. Zusätzlich entstehen beim gleichzeitigen Abarbeiten von Aufgaben mehr Fehler, die erst wieder behoben werden müssen.

Mythos 2: Frauen können besser multitasken als Männer

Irrtum! Eine Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit zeigt ganz klar: Frauen können es nicht besser. Übrigens spielt auch das Alter keine Rolle. Unabhängig von Geschlecht und Alter gilt: „Wer Multitasking betreibt, riskiert schlechtere Leistungen, erhöhte Anspannung und steigert das Unfallrisiko“.

Mythos 3: Multitasking kann man lernen

Jein! Ein Experiment an der Vanderbilt University zeigt, dass Probanden darauf trainiert werden können zwei Aufgaben auf einmal zu bewältigen. Nach dem Training reagierten die Versuchspersonen deutlich schneller als zuvor. Allerdings muss man einschränkend sagen, dass neurobiologisch gesehen Multitasking gar nicht möglich ist. Die Aufgaben werden offenbar nur deutlich schneller hintereinander erledigt. Das kann den Eindruck erwecken, diese würden parallel ausgeführt. Einzige Ausnahme sind die sogenannten Supertasker: Experimentell konnte gezeigt werden, dass einige sehr wenige Probanden gleichzeitig am Handy telefonieren und ein simuliertes Autofahrtraining fehlerfrei ausführen konnten.

Mythos 4: Multitasking hat keine Auswirkungen auf den Körper

Falsch! Arbeitswissenschaftler betrachten Multitasking als psychische Belastung. Daraus kann bei Überforderung schnell eine psychische Fehlbelastung werden, die auch konkrete physische Auswirkungen auf Herz, Kreislauf, Magen-Darm usw. haben. Aber es kann auch schlimmer kommen: Laut dem Neurologen Ernst Pöppel drohen überzeugten Multitaskern langfristig „Konzentrationsstörungen und Verlust des Kurzzeitgedächtnisses“, was zu einem „schizoiden Denkstil“ führen würde.

Fazit

Die meisten Mythen rund um’s Multitasking sind nach heutigen Erkenntnissen nicht haltbar. Da wir jedoch unbewusst permanent multitasken, lassen wir uns immer wieder gerne dazu verführen, dass auch bewusst zu versuchen. Dieser Versuch scheitert jedoch regelmäßig, auch wenn wir davon häufig nicht direkt etwas mitbekommen. Grund für das Scheitern ist die Struktur unseres Hirns, vor allem die „Trägheit“ des präfrontalen Cortex.

Gegen Multitasking helfen die Organisation mit Wochenplänen und To-Do-Listen. Ebenfalls sinnvoll sind feste E-Mail- und Telefonzeiten. Besser noch: Im Team Nicht-Stör-Zeiten (s. Silent Mode) festlegen, denn Aufgaben-Hopping ist ineffizient. Übrigens: Auch ein aufgeräumter Arbeitsplatz – dazu gehört ebenfalls das E-Mail-Postfach – wirkt Wunder.

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir die Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: „Bitte nicht stören! Tipps zum Umgang mit Arbeitsunterbrechungen und Multitasking“.

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