Feel-Good-Management 2.0 oder: Über die Zukunft der guten Laune auf Arbeit

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Feel-Good-Management: Viel wurde in den vergangenen beiden Jahren darüber geschrieben und diskutiert. Vereinfacht gesagt sind Feel-Good-Manager dafür zuständig, dass ihre Kolleginnen und Kollegen mit einem Lächeln zur Arbeit kommen. In letzter Zeit wurde es jedoch ruhiger um das Thema – Grund genug einmal nachzufragen, ob sich das Berufsfeld inzwischen etabliert hat und wie es in Zukunft weiterentwickelt werden könnte.

Was macht eigentlich ein Feel-Good-Manager?

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ – das ist eine Frage, die sich auch Feel-Good-Manager wahrscheinlich ab und an stellen. Denn ihre Aufgaben sind vielfältig. Kein Wunder, dass auch die Journaille dazu gezwungen war, den neuartigen Beruf mitunter etwas kurios zu umschreiben: Von „Büro-Bespaßer“ oder „Animateur im Großraumbüro“ über „Mädchen für Alles“ und „Gute-Laune-Beauftragte“ bis hin zum „Betriebsseelsorger“ waren sich die Autoren häufig nicht ganz einig, was den Kern des Berufs nun eigentlich ausmacht.

Im weitesten Sinne sind Feel-Good-Manager dafür verantwortlich, im Arbeitsumfeld ein Gefühl des Wohlempfindens zu verbreiten. Da sich jedoch so ziemlich jeder Arbeitnehmer gerne „gut fühlt“, gehört es zu den Grundaufgaben des Berufs, die Wünsche und Bedürfnisse aller Mitarbeiter zu kennen und so zur Lösung eventueller Alltagsprobleme beitragen zu können. Das beginnt bei zwischenmenschlichen Missverständnissen unter Kollegen und endet mit der Unterstützung bei der Wohnungssuche für neu hinzugezogene Mitarbeiter.

Team- und Unternehmenskultur mitgestalten

Feel-Good-Manager sind jedoch nicht nur feste Ansprechpartner für die „Wehwehchen“ der Kolleginnen und Kollegen, sondern auch dafür zuständig, die Bildung gut funktionierender Teams zu unterstützen. Auch im Sinne des Team-Buildings hat das Hamburger Start-up Jimdo beispielsweise extra ein Haus in der Nähe von Cuxhaven angemietet, in das sich Teams nach Voranmeldung beispielsweise für eine Woche zurückziehen können, um fokussiert und vor allem gemeinsam an anstehenden Projekten arbeiten zu können.

Über all dem thront die gewaltige Herausforderung, die unternehmenseigene Kultur zu gestalten und zu bewachen. Gerade gewachsene Start-ups streben danach, den Spirit ihrer Gründerzeit mit all seiner Innovationskraft und zwischenmenschlicher Lockerheit beizubehalten – was bei immer neuen hinzustoßenden Kollegen wahrlich keine einfache Aufgabe ist. Bereits hier wird jedoch deutlich, dass es mit einfacher „Büro-Bespaßung“ lange nicht getan ist. Vielmehr sind Feel-Good-Manager gefragt, langfristige Feel-Good-Strategien zu entwickeln.

Langfristige Strategien noch Mangelware

Nicht nur die Neuheit des Berufs bringt es mit sich, dass sich bisher kaum einheitliche Konzepte im Bereich des Feel-Good-Managements etabliert haben. Denn zudem müssen die Ideen und Projekte stets zur jeweiligen Unternehmenskultur passen – und die sind bekanntermaßen verschieden. Ein Großkonzern wie Siemens hat andere Grundvoraussetzungen und Ziele als beispielsweise das Berliner Gaming-Start-up Wooga. Wooga selbst beschäftigt etwa keine Feel-Good-Managerin, dafür aber ein ganzes Team, das sich etwa um das Onboarding internationaler Fachkräfte kümmert, die besonders in der Gaming-Industrie heiß begehrt sind und daher hohe Ansprüche stellen.

An diesem Punkt wird auch klar, weshalb Unternehmen immer mehr Wert darauf zu legen scheinen, dass sich ihre Angestellten auf Arbeit wohl- und beinahe wie zu Hause fühlen. Der Fachkräftemangel in vielen Bereichen führt dazu, dass Arbeitnehmer sich immer häufiger aussuchen können, für welches Unternehmen sie arbeiten wollen. Hierbei spielen nicht nur eine vernünftige Bezahlung und spannende Aufgaben eine Rolle, sondern zunehmend auch, dass junge Talente in ihrem Tun wertgeschätzt werden und mit Ihrer Arbeit zu einer sinnhaften „Unternehmensmission“ beitragen wollen. Mit Aktionismus à la einmaliger Rückenschulungen oder gelegentlicher Team-Events, die lediglich als Trostpflaster für geleistete Überstunden oder der plumpen Produktivitätssteigerung dienen, kommen Firmen nicht mehr weit.

smartworkers stellt Praxisbeispiele vor

Auf der Suche nach innovativen und vor allem nachhaltigen Feel-Good-Strategien stellen wir auf smartworkers in nächster Zeit Beispiele aus der Praxis vor, die verdeutlichen, wie Feel-Good-Management auch langfristig seinen Platz in Unternehmen finden kann. Denn so viel ist sicher: Dafür zu sorgen, dass die eigenen Kolleginnen und Kollegen mit einem Lächeln zur Arbeit kommen (und so auch in den Feierabend starten), sollte definitiv zu den guten Vorsätzen auf der Agenda für das Jahr 2015 gehören.