Die Spezies Digitaler Nomade – Teil 2: Die Exoten

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Wann immer es geht auf dem Board – Marie lebt für’s surfen. Foto: swellbound

Nachdem wir uns im ersten Teil Reisebloggern, Online-Marketeers und Grafikern gewidmet haben, schauen wir uns im Folgenden die etwas exotischeren Lebensentwürfe einiger Digital Nomaden an.

Die Multitalent-Nomadin

Marie (32) liebt surfen. Seit sie vor 10 Jahren ein Auslandssemester in Australien verbracht hat, zieht es sie immer wieder an die Orte mit den besten Wellen der Welt. Zunächst nahm sie sich immer möglichst lange Urlaub von der Arbeit – aber mehr als 30 Tage Urlaub im Jahr sind auch in Deutschland selten. So fing sie an, an ihren Surfspots nach Arbeit zu suchen – mal arbeitete sie für eine Umweltschutzorganisation, mal in einem Hostel und mal in einer Surfschule. Da sie schon immer ein kleines Multitalent war, konnte sie sowohl beratend-strategische und kreative als auch buchhalterische Aufgaben übernehmen. Schließlich eignete sie sich noch die basics des Programmierens an, so dass sie einfache, kleine Websites bauen konnte. Und wenn sie ein Hostel mal nicht zahlen konnte, arbeitete sie auch für Kost und Logie – alles, um ihren Traum vom Surfer-Dasein leben zu können. Nebenbei betreibt sie den Instagram-Account swellbound, dem mittlerweile auch schon der ein oder andere Profi-Surfer folgt. “Im Moment kann ich mir für mich kein anderes Leben vorstellen. Aber mal sehen, wie das in 20 Jahren aussieht,” lacht Marie. Mittlerweile hat sie ihre Wohnung in Hamburg aufgegeben und reist mit dem Großteil ihres Hab und Guts – das in einen 40 Liter Rucksack passt – umher. Freunde hat sie auf jedem Kontinent.

So verdient Marie Geld: Sie sucht sich vor Ort kleine Unternehmen, die ihre Online-Hilfe benötigen, zur Not akzeptiert sie ihre Bezahlung auch in Naturalien

Voraussetzung, um Multi-Nomade zu werden: Starker Wille, für seinen Traum auch durch magere Zeiten zu gehen, Verkäufer-Mentalität, Multitalent

Kyoto oder Köln - Programmieren geht von überall auf der Welt. Foto: pixabay
Kyoto oder Köln – Programmieren geht von überall auf der Welt. Foto: pixabay

Der Programmier-Nomade

Tim (38) hat als Backend Developer schon in so manchem Berliner Startup gearbeitet. Vor knapp fünf Jahren schickte ihn die berühmt-berüchtigte Start-up-Schmiede dreier Brüder nach Tokio, um einen Online-Schuhshop, den in Deutschland jede(r) kennt, ins Land der aufgehenden Sonne zu expandieren. Leider waren die Japaner kurz nach der Katastrophe von Fukushima nicht besonders interessiert am Online-Shopping. “Das Ding lief einfach nicht wie in Deutschland,” erinnert sich Tim, “aber ich fand das Land so faszinierend und wollte unbedingt dableiben.” Also schaute er nach ausgeschriebenen Freelance-Stellen, hauptsächlich in Deutschland. Schnell merkte er jedoch, dass seine Fähigkeiten überall auf der Welt gefragt waren. Nachdem er fast ein Jahr als Freelancer von Japan aus gearbeitet hatte, zog er weiter nach Australien. Mittlerweile ist er wieder in Berlin angekommen – seinen freien Arbeitsstil möchte er aber nie wieder aufgeben.

So verdient Tim Geld: Er arbeitet auf Freelance-Basis als Developer für kleine Start-ups und international agierende Konzerne

Voraussetzung, um Freelance Developer zu werden: Exzellente Kenntnisse und praktisches Know How mindestens dreier gängiger Programmiersprachen, gute Englisch-Kenntnisse

Nicht auf Diät – Caterina schwört auf Paleo. Foto: notanotherdiet
Nicht auf Diät – Caterina schwört auf Paleo. Foto: notanotherdiet

Die Paleo-Nomadin

Caterina (31) hat eigentlich Religionswissenschaft studiert – doch Priesterin wollte sie nie werden. So landete sie schließlich als Produktmanagerin bei einer großen Fitness-Kette – und merkte, dass ihr die Themen Fitness und Gesundheit gut lagen, auch privat. Sie fing an, neben der Arbeit ihren Food-Blog “Not another diet” aufzubauen, auf dem sie Paleo-Rezepte veröffentlicht. Noch steht Caterina am Anfang ihrer Blogger-Karriere, “aber ich hoffe, davon irgendwann leben zu können, damit ich zum Arbeiten nicht mehr an einen Ort gebunden bin”, sagt sie. “Rezepte ausprobieren kann ich schließlich überall auf der Welt.” Sie träumt davon, um die Welt zu reisen und den Blog dann mit entsprechenden Rezepten der regionalen Küche des Landes zu bestücken. “Neulich wurde ich von einem Kokoswasser-Hersteller angeschrieben, weil ich sein Produkt für eins meiner Rezepte verwendet hatte – vielleicht wird da ein kleiner Sponsoring-Deal raus. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung!”, freut sie sich.

So will Caterina Geld verdienen: durch Werbeeinblendungen auf ihrem Blog, Sponsorings von Lebensmittelherstellern

Voraussetzung, um Foodblog-Nomadin zu werden: Ein Faible für’s Kochen, gute Inszenierungs- und Fotokünste, sehr guter Schreibstil

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