Bitkom: Arbeit im Homeoffice wird zum Standard

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Homeoffice: hierzulande noch nicht selbstverständlich. Laut Bitkom ist Deutschland aber auf gutem Weg. / Kaboompics/Karolina

Einer aktuellen Studie im Auftrag des deutschen Digitalverbandes Bitkom zufolge wird die Arbeit im Homeoffice hierzulande mehr und mehr zum Standard. Bereits heute können laut der repräsentativen Umfrage in knapp jedem dritten Unternehmen (30 Prozent) Mitarbeiter ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten. Das entspricht einem Zuwachs von zehn Prozentpunkten gegenüber 2014. Fast alle Befragten rechnen zudem damit, dass sich dieser Trend zumindest nicht rückläufig entwickeln wird: Während jedes zweite Unternehmen davon ausgeht, dass der Anteil der Homeoffice-Mitarbeiter konstant bleibt, erwarten gut vier von zehn Unternehmen einen Anstieg in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Ungleichbehandlung und Produktivitätseinbußen größte Bremsen

Doch auch wenn viele Jobs heutzutage zeit- und ortsunabhängig erledigt werden könnten, relativert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder die Ergebnisse der Studie: „Nach anfänglicher Zurückhaltung wird Homeoffice bei vielen deutschen Unternehmen zum Alltag. Aber die Erfahrungen zeigen auch, dass dieses Modell nicht in jedem Fall geeignet ist.“

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Unternehmen, die beim Thema Homeoffice noch zurückhaltend agieren, begründen das in erster Linie mit dem Argument der Fairness: Gut sechs von zehn Unternehmen achten darauf, eine Ungleichbehandlung zu vermeiden, da eben nicht jeder Mitarbeiter durch die Art seiner Aufgaben in der Lage ist, von zu Hause aus zu arbeiten. Ein Argument, das man in der Diskussion um flexible Arbeitsmodelle sonst eher selten hört. Knapp die Hälfte der Befragten führt die „klassische“ Befürchtung ins Feld, dass fehlender direkter Austausch unter den Kollegen zu Produktivitätseinbußen führe. Knapp vier von zehn Unternehmen sehen in den bestehenden gesetzlichen Regelungen ein wesentliches Hindernis für die Einführung flexibler Arbeitsmodelle. Weitere Argumente gegen das Homeoffice sind die schlechtere Erreichbarkeit der Mitarbeiter (31 Prozent) und eine befürchtete sinkende Identifikation mit dem Unternehmen (20 Prozent). Um die Datensicherheit machen sich dagegen nur 16 Prozent der Befragten Sorgen.

Bitkom: Plädoyer für Gestzesreformen

Bitkom-Chef Rohleder sieht vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht, den Weg zu einem höheren Anteil von Homeoffice-Mitarbeitern zu ebnen. Immer mehr Arbeitnehmer wünschten sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Flexibles und agiles Arbeiten würde jedoch durch gesetzliche Regelungen erschwert. „Vorgaben wie die starre elfstündige Mindestruhezeit und der Acht-Stunden-Tag statt einer flexiblen Wochenhöchstarbeitszeit sind nicht mehr zeitgemäß und müssen reformiert werden“, so Rohleder.

Auch Unternehmen und Arbeitnehmer in der Pflicht

Doch auch die Unternehmen sieht der Bitkom in der Pflicht: Nötig seien klare Regeln fürs Homeoffice sowie die Aufklärung der Mitarbeiter über die Rechtslage und den Arbeitsschutz. Zudem müssten die Unternehmen ihre Arbeitnehmer darin unterstützen, bestimmte Fähigkeiten zu erlernen, die für die Arbeit im Homeoffice unerlässlich sind. Ohne in der Lage zu sein, die richtigen Prioritäten zu setzen und die nötige Eigenverantwortung aufzubringen, wird Homeoffice schnell zum Bumerang.

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