7 Fragen an… Detlev Artelt

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Den Auftakt unserer Reihe "7 Fragen an..." macht Detlev Artelt, Kommunikationsberater und Gründer des Netzwerks Neuwork.

detlev-artelt-2In unserer neuen Interviewserie „7 Fragen an…“ präsentieren wir euch spannende Insights aus dem (Arbeits-)Alltag von Menschen, die Smarter Working leben. Den Anfang macht Detlev Artelt. Als Kommunikationsarchitekt und Geschäftsführer bei aixvox berät er seit 25 Jahren europäische Unternehmen zu neuen Technologien in der Kommunikation. Darüber hinaus ist er der Herausgeber des Fachbuchs „Einfach Anders Arbeiten“, der Taschenbuchreihe “ PRAXISTIPPS Kundenkommunikation“ sowie der Fachbuchreihe „voice compass“; außerdem engagiert er sich aktiv im Berater-Netzwerk Neuwork.

Hallo Detlev! Bevor wir starten, wäre es super, wenn du Neuwork für unsere Leser in zwei bis drei Sätzen beschreiben könntest.
Neuwork ist ein Berater-Netzwerk, das sich der Aufgabe gewidmet hat, Unternehmen im Zuge der Veränderung der Arbeit ganzheitlich zu begleiten. Typische Berater gehen entweder in HR, in die Technik oder das Facility Management. Bei Neuwork haben wir all diese Berater vereint und gewinnen somit einen 360°-Blick auf Unternehmen. Neuwork wurde zur CeBIT 2016 von Markus Albers und mir in Leben gerufen, besteht nunmehr aus 13 Beratern und 3 Beiräten und hat schon vielen Unternehmen im Mittelstand mit unserem frischen Ansatz geholfen.

Danke für die knackige Zusammenfassung. Nun zu den Fragen:

1. Was bedeutet Smarter Working für dich persönlich?
In erster Linie bedeutet es für mich, in Frieden und Freiheit zu arbeiten. Ich kann überall, wo ich Internet habe, meinen Job erledigen und habe dabei volle Flexibilität. Das erlaubt mir auch, zwischendurch in kleinen Zeiteinheiten andere Dinge rund um meine Arbeit zu erledigen. So sehe ich mein Büro effektiv nur noch in einem Drittel meiner Arbeitszeit. Aber das größte Schlüsselerlebnis hatte ich nach einem halben bis dreiviertel Jahr aktiven Smarter Workings, als mir plötzlich bewusst geworden ist, dass ich eine gewisse Leichtigkeit beim Arbeiten dazu bekommen habe: Das führt einfach zu mehr Spaß am Job.

2. Welchen Tipp gibst du unseren Lesern für produktiveres Arbeiten?

Im Großen und Ganzen dreht sich hier, neben der Technologie, vieles um Akustik und die passenden Räumlichkeiten, die eine saubere Akustik gewährleisten. Außerdem rate ich generell jedem dazu, sich mit dem Konzept Unified Communications & Collaborations auseinander zu setzten. Das sage ich natürlich nicht ganz selbstlos, weil ich seit neun Jahren darin berate, aber das ist genau die positive Entwicklung, die ich in Unternehmen sehe. Durch Unified Communications werden Mitarbeitern neue Freiheiten in Bezug auf Ihren Arbeitsort eingeräumt, durch die sie ihr Tagesgeschäft viel effizienter erledigen können.

3. Du sagst, du arbeitest viel von unterwegs und auch von zu Hause aus. Gibt es einen Ort, an dem du besonders gut arbeiten kannst?
Hier stellt sich die Frage „Besonders gut für was?“, denn es gibt verschiedene besonders gut passende Orte für unterschiedliche Tätigkeiten: In meinem Meeting-Raum zusammen mit dem Team geht es um kreative Zusammenarbeit, mein Home Office am Küchentisch mit Blick auf Ostbelgien eignet sich dagegen eher für ruhige oder konzentrierte Arbeiten. Die Zusammenarbeit im Internet lebe ich an all diesen Orten wie auch unterwegs in einem Co-Working Office oder schlichtweg in einem Café. Ich freue mich beispielsweise auch immer, wenn ich gemütlich in der Bahn sitze und nicht im Stau stehen muss, und dabei gleichzeitig 20 bis 30 E-Mails erledigen kann; das ist auch ein toller Ort. Also gibt es verschiedene optimal passende Orte für die unterschiedlichen Tätigkeiten im Job.

4. Auf welche Tools möchtest du in deinem Arbeitsalltag nicht mehr verzichten?
Auf zwei bis drei digitale Begleiter, von iPad über Smartphone bis hin zum Notebook. Hier gilt das gleiche wie für meine Arbeitsplätze: Für die richtige Umgebung und den richtigen Job braucht es das richtige Werkzeug! Wichtig ist, dass alle Endgeräte untereinander mit dem gleichen Konto synchronisiert sind, damit ich kein Hin- und Hergeschiebe von Dateien und Kontakten habe. Außerdem ist mir eine gute Tonqualität wichtig, wenn es um Kommunikation mit Kunden oder Mitarbeitern geht und da darf natürlich das passende Headset nicht fehlen. Aber auch hier gibt es verschiedene Geräte für die unterschiedlichen Arbeiten.
 
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5. Was motiviert dich besonders für deine Arbeit? Woraus ziehst du deine Motivation?
Nach 25 Jahren Selbstständigkeit motiviert mich in erster Linie die Freiheit, die ich in meinem Job habe: selbst zu entscheiden, wann ich was, wie, wo tun möchte. Das will ich nicht mehr hergeben! Auch faszinieren mich immer wieder die spannenden Inhalte: Bei mir gibt es selten Dinge, die ich immer wieder auf dieselbe Art und Weise machen muss; vielmehr ist jeder Kunde eine neue Aufgabe mit individuellen Problemen, Wünschen und Sorgen. Besonders viel Spaß habe ich daran, dass ich von Haus aus Technologe bin, mittlerweile aber vielen Leuten auf der menschlichen Ebene im Rahmen des neuen Arbeitens helfen darf. Diese zwei Punkte zu verbinden, gefällt mir unheimlich gut.

6. Work und Life – deiner Ansicht nach Gegensätze oder eng miteinander verbunden?
Die beiden Konzepte sind für mich untrennbar miteinander verbunden, weil ich mir ganz klare Zeiträume für z.B. meine Familie gelegt habe, das ist wichtig! Ich habe auch ganz klare Definitionen für Wochenenden: Und zwar nicht zu arbeiten! Ausnahmen bestätigen die Regel, aber grundsätzlich ist das Wochenende Familienzeit, um in der Woche einen maximalen Wirkungsgrad zu haben.

Das klingt sehr gesund.
Ja, sonst holt es dich ein. Es gibt zu viele Leute, die ich gesehen habe, die nach n Jahren einfach umgekippt sind, und das kann nicht Sinn und Zweck des Arbeitens sein; ein Privatleben sollte immer zu einem erfüllten Arbeitsleben hinzugehören.

7. Wie sieht deine Arbeits(um)welt in 10 Jahren aus?
Ich werde mehr zu Hause sein. Ich werde viel mehr mit Video arbeiten, denn an dem Videostudio baue ich gerade. Ich stelle mir durch die Digitalisierung mehr Beratung und mehr Zusammenarbeit mit Menschen überall in der Welt vor, indem wir ganz selbstverständlich per Video-Kommunikation zusammenarbeiten. Damit geht einher, dass ich näher bei der Familie und meinem eigentlichen Kernleben sein kann und weniger auf deutschen Autobahnen, Flughäfen oder in Zügen herumlungern muss.

Dann bist du der Ansicht, dass sich die Präsenzkultur weiter lockern wird?
Ja, das sehe ich jetzt schon kommen. Wenn die Entscheider erst einmal ihre Angst vor dem Kontrollverlust gegenüber dem Mitarbeiter verloren haben, wird es viel mehr flexibles Arbeiten an unterschiedlichen Orten geben. Es ist schwer, denn Veränderung wird in Deutschland häufig als etwas Böses betrachtet. Aber wenn wir beispielsweise einem Unternehmen, das offen für Neues ist, im Rahmen eines Beratungsworkshops das Konzept des Präsenzmanagements erklärt haben, dann fangen die Mitarbeiter Schritt für Schritt an, diese Freiheiten zu nutzen und wandern dann auch mal mehr in Home Office und Coworking Spaces ab. Letztere wachsen ja gerade in größeren Städten – z.B. in Berlin – wie Pilze aus dem Boden und kommen sicher auch früher oder später in die kleineren Städte.

Vielen Dank für das Gespräch.

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