Home Office: Gestaltungsaufgabe für Unternehmen und Beschäftigte

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Foto: Plantronics
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Arbeiten, wann und wo man will – für viele steht das ganz oben auf der Wunschliste im Job. Meist ist eine bessere Integration von Privatleben und Beruf das Hauptmotiv dafür, einen Teil der Arbeit orts- und zeitunabhängig zu erledigen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind da. Sie haben jedoch – und dies ist die andere Seite der Medaille – auch eine zweite Gruppe flexibler Arbeiter geschaffen oder zumindest gefördert: diejenigen, die auch Teile ihrer Freizeit mit beruflichen Dingen verbringen. Sei es aus besonders großem Engagement oder weil die „normalen“ Kapazitäten für die zu erledigenden Aufgaben nicht ausreichen. Allein an diesem Beispiel offenbaren sich grundlegende Fragen danach, wie gute Arbeit heutzutage organisiert werden sollte, welche Vor- und Nachteile sich durch Digitalisierung und Flexibilisierung ergeben. Bei der Beantwortung dieser Fragen soll der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegebene Forschungsmonitor „Mobiles und entgrenztes Arbeiten“ helfen, indem er den Status quo des orts- und zeitunabhängigen Arbeitens in Deutschland aufzeigt.

Noch immer starke Anwesenheitskultur in Deutschland

Als eines der wesentlichen Ergebnisse des Forschungsmonitors zeigt sich, dass die Präsenz im Büro in Deutschland immer noch groß geschrieben wird. Nur ein Drittel der Betriebe in Deutschland bietet Beschäftigten überhaupt die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Bei Unternehmen mit über 500 Angestellten liegt die Zahl immerhin bei 50 Prozent. Eine alltägliche Arbeitsform ist das Home Office allerdings auch dort in den seltensten Fällen. Home Office ist meist nur unregelmäßig möglich.

Home Office nicht für alle, ständige Erreichbarkeit schon eher

Dass in vielen Berufen die technischen oder strukturellen Voraussetzungen für flexible Arbeitsformen fehlen, überrascht nicht. Ein Gebäude lässt sich schlecht von der Couch aus errichten und auch ferngesteuerte Linienflüge gibt es noch nicht. Doch auch in Branchen, in denen derartige Arbeitsmodelle grundsätzlich möglich sind, ist das Home Office häufig Führungskräften und Berufen mit hoher Qualifizierung, hohem Zeitdruck und hoher Autonomie vorbehalten. Eine Folge davon ist, dass die Nutzung von Home Office seit 2013 nicht zugenommen hat. Problematisch daran ist vor allem, dass sich die Erreichbarkeit der Beschäftigten außerhalb der Arbeitszeit für dienstliche Anliegen dagegen sehr wohl kontinuierlich erhöht. Beschäftigte, die außerhalb ihrer Arbeitszeit – also in ihrer Freizeit – von zu Hause arbeiten, empfinden der Befragung zufolge häufiger Rollenkonflikte zwischen Arbeits- und Privatleben.

Stärkere Zufriedenheit im Job durch Home Office

Ähnliche Konflikte erleben Menschen, die gerne von zu Hause arbeiten würden, dies aber nicht können. Sie bewerten verschiedene Aspekte der Arbeitsqualität wie Zufriedenheit und Verbundenheit mit dem Betrieb eher schlechter. Umgekehrt fühlen sich Beschäftigte, die (zumindest teilweise) räumlich und/oder zeitlich „entgrenzt“ arbeiten, mit ihrem Betrieb enger verbunden und bewerten Aspekte ihrer Arbeitsqualität wie die Zufriedenheit und die Fairness des Vorgesetzten positiver. Kein Wunder also, dass ein Drittel der Angestellten, die nie von zu Hause arbeiten, dies gerne gelegentlich oder regelmäßig tun würde.

Einordnung der Ergebnisse

Der Forschungsmonitor gibt keine Handlungsempfehlungen, stellt allerdings eine Diskussion zur Einordnung der Ergebnisse ans Ende, dessen Tenor lautet, dass das Home Office ein Instrument ist, das Beschäftigten helfen kann, freier und selbstbestimmter zu arbeiten. Dafür müssten allerdings sowohl Betriebe als auch Beschäftigte flexible Arbeitsmodelle als gemeinsame Gestaltungsaufgabe wahrnehmen.

Wer etwas mehr in die Tiefe gehen möchte: Hier ist die komplette Studie kostenlos abrufbar.

1 KOMMENTAR

  1. Ja das liebe Homeoffice. Hat doch nur vorteile. Freie Zeiteinteilung. Man kann sich zwischendurch der Famile oder seinen Hobbies widmen. Besser gehts doch nicht oder?

    Aus meiner Erfahrung heraus ist Home Office nur gut während z. B. der Elternzeit. Selbst da muss man aufpassen. Die meisten Arbeitgeber sehen das gerne weil sie doch wissen das die Arbeit rund um die Uhr erledigt werden kann. Da hat der Tag bei vielen 24 Stunden. Man will doch dem Chef imponieren und man will auch nicht den Anschluss verlieren. Da gibt es nicht die verluchten 11 Stunden Ruhezeit und die Tageshöchstarbeitszeit von 10 Stunden ist doch auch von Anno Dazumal.

    Genau das ist das Problem. Die Gesetze und Richtlinien werden zu oft missachtet. Anerkennung bei den Vorgesetzten ist auch Fehlanzeige wenn es darauf ankommt. Ich nenne das Ausbeutung. Nicht mehr und auch nicht weniger.

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