Wer vernetzt denkt, ist innovativer

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Innovationstreiber: die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinaus - Foto: © Microsoft

Die Vernetzung ist heute der Schlüssel zum Erfolg. Um als Unternehmen innovativ zu sein, müssen viele Akteure in den Entwicklungsprozess einbezogen werden – vor allem die Kunden.

Gastbeitrag von Klaus von Rottkay, COO, Microsoft Deutschland

Kennen Sie TRIZ? TRIZ ist ein Akronym aus der russischen Sprache und bedeutet so viel wie: „Theorie des erfinderischen Problemlösens“, so etwas wie eine wissenschaftliche Anleitung zur Innovation. Bestandteil von TRIZ sind 40 Prinzipien, die man durchgehen muss, und am Ende erhält man im günstigsten Fall eine Idee für ein neues Getriebe zum Beispiel oder eine neue Software. Ein recht theoretischer und isolierter Weg zur Innovation. Das Abarbeiten von Prinzipien mag seltsam klingen, aber in vielen Unternehmen laufen Innovationsprozesse tatsächlich noch sehr isoliert ab. Noch herrscht das klassische Silo-Denken: Abteilungen innerhalb eines Unternehmens arbeiten im besten Fall parallel, selten gemeinsam und noch seltener vernetzt, vor allem bei Innovationen. Zudem müssen bei jedem Schritt „Zuständigkeiten“ und zahlreiche Hierarchieebenen berücksichtigt werden. Dabei ist eine große Chance: Eine vernetzte, weitgehend hierarchiefreie Organisation aufzubauen und die Kompetenz aller Wissensarbeiter im Unternehmen nutzen – gerade im Hinblick auf die Innovationskraft eines Unternehmens.

Beschleunigte Innovationsprozesse durch Input von innen und außen

Ein eher praktischer Weg zur Innovation ist heute die Vernetzung – basierend auf digitalen Technologien. Die Vernetzung fördert und beschleunigt Innovationsprozesse. Denn wer vernetzt denkt und handelt, ist auch innovativer. Eine technologische Innovation muss heute auch eine soziale Innovation sein. Das heißt, eine Innovation sollte von den Menschen mitgedacht werden, die sie später auch nutzen. „Mitdenken“ basiert wiederum auf dem „Vernetzen“ und bedeutet, dass alle Teilnehmer in den Produktentwicklungsprozess eingebunden werden – auch und vor allem die Kunden. Mit dem Einsatz innovativer Digital-Technologien wie Social Media, Big Data oder Cloud Computing ist es heute leicht, Kontakt mit Kunden zu pflegen, Interviews zu führen oder Kunden Prototypen testen zu lassen sowie Meinungen und Bewertungen einzuholen. Die Vernetzung sollte jedoch nicht nur nach „draußen“ reichen, auch innerhalb eines Unternehmens sollten Führungskräfte Wert darauflegen, Wissen aus verschiedenen Unternehmensbereichen zu integrieren. Dafür müssen altgediente Organisationsstrukturen zum Teil grundlegend geändert werden.

Trial-and-Error: frühes Scheitern als Wegbereiter für den Erfolg

Fakt ist: Neue Produkte und Dienstleistungen sind inzwischen meist das Ergebnis guter Vernetzung. Das zeigt der Erfolg vieler Start-Ups wie Flixbus und Kisura, die mit wenig Mitteln und wenig Personal zu einem kundennahen Anbieter werden – nicht zuletzt, weil sie sich vom Start weg als vernetzte Organisation begreifen. Sie haben eine hohe Affinität zu neuen Technologien, arbeiten oft multidisziplinär und setzen beim Aufbau ihrer Unternehmen auf „Trial-and-Error“, also sie probieren mit kleinen Budgets viele neue Ideen aus und riskieren bewusst, mit den meisten zu scheitern. Gerade das frühe Scheitern ist häufig der Wegbereiter für den späteren Erfolg. Wie viel riskanter ist es dagegen, wenn Unternehmen nach langen, streng abgeschotteten Forschungs- und Entwicklungsprozessen sowie nach zahlreichen internen Abstimmungen über viele Hierarchieebenen hinweg, am Ende mit ihrem Produkt nicht beim Kunden ankommen – also erst sehr spät scheitern? Grund für das Scheitern ist nicht selten, dass man dem Kunden eben nicht auf Augenhöhe begegnet ist. Weil eben nicht vernetzt gedacht und gehandelt wurde.

Denklabore, Kommunikationsräume und Innovation-Space setzen neue Akzente

Deshalb kann die Devise für Unternehmen nur lauten: Vernetzen, ausprobieren, einen Schritt nach dem anderen gehen – und auch die Arbeitsumgebung entsprechend anpassen. Da gilt es, im wahrsten Sinne des Wortes, Wände einzureißen, große Räume und adäquate Zonen für Mitarbeiter zu schaffen. Einige Unternehmen haben bereits Denklabore, Kommunikationsräume und Innovation-Space aufgebaut oder gleich Inkubatoren ausgegliedert. Inkubatoren sind unternehmenseigene Start-Ups, die das gesamte Konzernnetzwerk nutzen und von Kundenkontakten profitieren können. So liegt uns daran, Wunderlist, das Start-up sein zu lassen, was es immer war und so erfolgreich gemacht hat. Denn die Kollegen in Berlin atmen den Geist der Start-Up-Szene und sind so etwas wie unsere „Ausprobierer“ im Konzern. Für die Unternehmen hat die Inkubatoren-Tätigkeit vor allem zwei Vorteile: Erstens können die Gründungen dem ganzen Unternehmen einen neuen Akzent, eventuell sogar eine neue Richtung geben. Und zweitens kann die neue Arbeits-Kultur der Start-Ups auch auf die Mitarbeiter der anderen Abteilungen abfärben.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es braucht Mut, um die Vernetzung und den digitalen Wandel konsequent umzusetzen. Und: Der Wandel ist eine originäre CEO- und COO-Aufgabe, die Verantwortung für die Vernetzung kann nicht nur beim CIO liegen. Sie betrifft nicht nur einzelne Abteilungen, sie wird ganze Strukturen und Unternehmen komplett verändern. Es herrscht noch der Glaube, die digitale Vernetzung sei vor allem ein IT- und Kommunikations-Thema. Das ist ein Irrtum. Die Vernetzung ist viel mehr die Grundvoraussetzung für Wissensarbeit und Innovation. #MutzumAufbruch

Über den Autor
Gastautor_Klaus von Rottkay_Microsoft DeutschlandDr. Klaus von Rottkay ist seit Juli 2013 Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland und leitet dort die Bereiche Marketing und Operations (M&O). Damit ist von Rottkay für das strategische Marketing, aber auch für die Steuerung der Geschäftsbereiche Windows & Surface, Office und Cloud & Enterprise verantwortlich.

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