New Work: Ein Modebegriff, den niemand braucht?

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New Work
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Die Überschrift dieses Artikels mag auf einem Blog, der sich smartworkers nennt, reichlich fremd erscheinen: Smart Working und New Work, das sind doch quasi zwei Begriffe, die nur miteinander und nicht ohne einander existieren können. Und doch wollen wir den Begriff New Work an dieser Stelle einmal grundsätzlich hinterfragen.

New Work ist nicht New Work

Bastian von The New Worker stellt auf seinem Blog die Frage, wie sich das Thema New Work 2016 entwickeln wird: Vom Hype zum Alltag? Auch wir auf smartworkers beschäftigen uns mit neuen, innovativen Arbeitsmodellen im Sinne dieses Modebegriffs:

  • Erst vor kurzem schilderte uns Unternehmerin Katrin, was Unternehmen von digitalen Nomaden lernen können.
  • Wir zeigen, wie innovative Technologien wie Noise Cancelling unsere Arbeit verändern können.
  • In einer Interview-Reihe zum Thema Feel-Good-Management gingen wir im Gespräch mit Wooga, Goodgames, Spreadshirt und UNIQ der Frage nach, wie sich dieses Berufsfeld in Zukunft weiterentwickeln wird.

Ich könnte die Beispiele ewig fortsetzen, und doch wird mir beim Begriff New Work etwas mulmig: Was um 1900 neu war, ist im Jahr 2015 in aller Regel steinalt. Was gestern als innovativ galt, ist heute entweder Standard oder schon wieder vergessen. Ist die Rede vom „neuen“ Arbeiten, dann sollte man sich stets bewusst machen, dass sich unsere Arbeitsweise schon immer dynamisch verändert und weiterentwickelt hat.

Arbeit im Wandel

Wahrscheinlich meint der Begriff New Work jedoch etwas ganz Anderes, als er suggeriert. Doch was könnte das sein? Auffällig ist, dass parallel zur New Work auch der Terminus des Employer Branding immer stärker diskutiert wird. Ebenso ist andauernd die Rede von einer neuen Generation junger Arbeitnehmer. Mal heißt sie Generation Y, mal wird ihre Existenz per se in Frage gestellt.

Fakt scheint jedoch: Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und damit auch das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern scheinen im Wandel. Auch dieser Wandel ist nicht neu – vielmehr sogar ziemlich selbstverständlich – und doch scheinen neue Technologien und die mit ihnen entstehenden Berufsfelder den Wandel zu beschleunigen.

Nicht zuletzt setzt das böse Wort des Fachkräftemangels das traditionelle Unternehmertum mitunter gehörig unter Druck. Viele Arbeitnehmer verlangen heute mehr, als es ihre Chefs noch vor einigen Jahren für tolerierbar gehalten hätten – und zwar nicht im monetären Sinne. Wer Talente halten will, der muss ihnen etwas bieten. Spannende Herausforderungen und eine konstant hohe Lernkurve gehören zu den zentralen Ansprüchen.

Von New Work zu Individual Work

In diesem Zusammenhang sofort nach New Work und neuen Arbeitsmodellen zu schreien, ist so leicht verständlich wie kurz gedacht. Weniger geht es in den meisten Fällen darum, alles neu zu machen. Im Gegenteil: Wohl jeder Arbeitnehmer wird Punkte finden, die er gerne – entgegen allen innovativen Konzepten – so fortführen möchte wie bisher.

Der Schlüssel lautet in vielen Dingen daher nicht „Aus alt mach neu“, sondern: Wie können wir im Interesse und im Rahmen der Möglichkeiten beider Seiten daran arbeiten, dass die Zufriedenheit im Beruf steigt? Die Antwort auf diese Frage kann vor allem nur eines sein – individuell:

  • In einem Beruf, in dem kleine Teams miteinander arbeiten und wachsen, kann es mitunter schwer fallen, wenn eine Person davon immer im Home Office ist.
  • Vielleicht haben sich dabei aber auch vier Kollegen gefunden, bei denen genau das wunderbar funktioniert.
  • Vielleicht scheitern flexible Vertrauensarbeitszeiten daran, dass Geschäftspartner in anderen Zeitzonen aktiv sind.
  • Vielleicht ist die Arbeit im Home Office unproduktiver, weil mit dem privaten Laptop einfach nicht dieselbe Leistung erbracht werden kann.
  • Vielleicht muss für einen Wandel im individuellen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis auch einfach erst Vertrauen gewonnen werden, um mehr Freiheiten einzuräumen.

New Work wird nicht Alltag

Heißt: Die Konzepte der New Work stoßen im Alltag auf reale Situationen, sowohl auf Stufe des jeweiligen Unternehmens als auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Gerade auf letzterer unterscheiden sich die Bedürfnisse und Ansprüche von Fall zu Fall oft gravierend.

New Work im Jahr 2016: Hype oder Alltag? – Sagen wir es so: Es wird sie weiterhin geben, die innovativen Konzepte, die Diskussionen anregen. Neue Ideen treffen jedoch am Ende auf völlig andere Kontexte, in denen sie schlichtweg nicht eins zu eins übertragbar sind. Der Hype fließt so in den Alltag ein, ohne jedoch selbst zum Alltag zu werden. Wo Hype auf Alltag trifft, bedarf es am Ende jedoch keiner New Work, sondern einer „Individual Work“ – einem Arbeitsmodell, das sich nach den individuellen Begebenheiten vor Ort richtet. Und diese sind bekanntlich vielseitig. 

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Herr Jerusel,

    das Problem ist meiner Meinung nach, dass der Begriff „New Work“ im Grunde von F. Bergmann eindeutig mit drei Schwerpunkten definiert wurde: Eindämmung / Abschaffung des Lohnarbeitssystems, High-Tech-Eigenproduktion und das Verfolgen einer beruflichen Vision („Calling“). Mit diesen Gedanken hat die hiesige New Work – Diskussion leider gar nichts zu tun. Das sollte man irgendwie kenntlich machen, sonst wird „New Work“ tatsächlich zu einer leeren Hülle.

    P.S. Ich erlaube mir, diesbezüglich auf einen Blog-Artikel von mir zu verweisen:
    http://www.markusvaeth.com/kolumne/new-work-vorsicht-verwechslungsgefahr/

    Herzliche Grüße,
    Markus Väth

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