Feel-Good-Management bei Goodgame Studios: Mit Strategie und Methode zu zufriedenen Mitarbeitern

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Unsere Feel-Good-Reihe macht diesmal im hohen Norden Station und führt uns nach Hamburg zum Firmensitz von Goodgame Studios. Der Spielentwickler bringt mehr als 1.200 Mitarbeiter aus über 50 Nationen zusammen und nimmt das Feel-Good-Thema bereits seit 2013 sehr ernst. Statt eines Einzelkämpfers schickt das Unternehmen inzwischen ein dreiköpfiges Team in die Feel-Good-Spur.

Obwohl beim Feel-Good-Management vielerorts noch auf Bauchgefühl und eine aktionistische Bespaßungsphilosophie vertraut wird, thront die Wohlfühlkultur bei Goodgame Studios auf einer soliden, strategischeren Basis: Beratungs- und Coachingkompetenzen im Feel-Good-Team, etablierte Feedbackkanäle und regelmäßige Reportings stellen sicher, dass die Wohlfühlkultur Früchte trägt. Dass bei der täglichen Arbeit trotz aller Methodik der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern und jede Menge Empathie eine große Rolle spielen, verrät uns Feel-Good-Managerin Sophie Bono (30) im Interview.

Die studierte Psychologin ist seit September letzten Jahres Teil des Feel-Good-Teams bei der Hamburger Softwareschmiede. Neben ihren organisatorischen Aufgaben ist sie Ansprechpartnerin für Wünsche und Probleme, vermittelt bei Konflikten und hat immer ein offenes Ohr für Vorschläge. Wenn es darum geht, die richtige Lösung für jeden Mitarbeiter aus dem Hut zu zaubern, profitiert Sophie von ihrer Coachingerfahrung.

Sophie, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns zum Thema Feel-Good-Management Rede und Antwort zu stehen. Das Berufsfeld wird in den Medien mit verschiedenen Begriffen beschrieben. Vom Büro-Bespaßer oder Mädchen für alles bis hin zum Betriebsseelsorger – mit welchem Begriff würdest du deine Rolle bei Goodgame Studios beschreiben?

Zu allererst würde ich mich von den drei genannten Begriffen distanzieren, denn das Berufsfeld Feel-Good-Management ist wesentlich komplexer. Kommunikatives Allround-Talent mit dem Blick auf möglichst viele Themen, die die Zufriedenheit der Mitarbeiter betreffen, passt schon eher.

Kannst du deine Aufgaben als Feel-Good-Manager bei Goodgame Studios in Hauptbereiche untergliedern? Welche wären das?

Vorab: Wir sind mittlerweile ein dreiköpfiges Feel-Good-Team. Mit über 1.200 Kollegen war es notwendig, personell aufzustocken, um jedem gerecht zu werden. Wie bereits erwähnt sind unsere Aufgaben vielseitig: Vertrauensgespräche, Organisation und Verwaltung des Betriebssport- und Benefitprogramms, Mitarbeit und Initiierung bei und von Firmenevents, Reporting und Datenauswertung sowie die Unterstützung und Wahrung der Firmenkultur sind unsere Hauptbereiche.

Wie sieht ein „ganz normaler Arbeitstag“ für dich aus?

Ich gehe morgens als erstes meine Mails und unsere Feedbackkanäle durch, um zu sehen, welche Anliegen unsere Kollegen haben. Dann koordinieren wir uns als Team in einem kurzen Stand-up, bevor es ans Tagesgeschäft geht. Von der Organisation eines neuen Sportkurses oder eines anstehenden Events bis zum Coaching in Einzel- oder Teamgesprächen steht bei uns vieles an. Ein bunter Tag, an dem man zwischen PC-Arbeit und dem persönlichen Gespräch oft wechselt und viel auf unserem Campus unterwegs ist.

Welche Eigenschaften bringst du als Feel-Good-Managerin mit? Und warum meinst du, wurdest du für diese Stelle ausgewählt?

Empathie, proaktives Arbeiten und auf Leute zugehen können sowie Beratungs- und Coachingerfahrung und eine Affinität zum Projektmanagement sind wichtige Eigenschaften für einen Feel-Good-Manager. Des Weiteren sind internationale Erfahrung und erweiterte Sprachkenntnisse sehr wichtig, denn wir haben über 50 Nationen bei Goodgame Studios vertreten und nicht jeder spricht deutsch. Da ich alle Kriterien erfülle, konnte ich mit meiner Bewerbung überzeugen.

Wie misst du deinen Erfolg?

Wir erstellen regelmäßig Reportings und werten unsere Feedbackkanäle aus. Der persönliche Austausch mit unseren Kollegen ist ebenso wichtig. Oft bekommen wir auch das Feedback, dass die Mitarbeiter es sehr wertschätzen, dass es unsere Abteilung gibt, oder dass sie sich persönlich bei uns für unsere Hilfe bedanken – solche Tage belegen den Erfolg nicht in Zahlen, aber wir machen mit einem besonders breiten Lächeln Feierabend.

Was macht Feel-Good-Management bei Goodgame Studios besonders?

Wir planen langfristig, blicken regelmäßig über unseren Tellerrand und versuchen, uns an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Arbeitspsychologie und an den wahrgenommenen Bedürfnissen in der Firma zu orientieren. Die Kombination aus wissenschaftsbasierter und empathischer Arbeit macht Feel-Good-Management bei Goodgame Studios besonders.

Was meinst du, wie wichtig ist es, trotz aller Büro-Benefits die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit der Mitarbeiter zu respektieren? Wie setzt du diese Grenzen?

Ich denke, es ist sehr wichtig, diese Grenze zu akzeptieren. Wir stellen jedem frei, unsere Freizeitprogramme zu nutzen. Wir kommunizieren außerdem offen, dass niemandem ein Nachteil entsteht, wenn er nicht daran teilnehmen möchte. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass gerade Zugezogene aus anderen Ländern oder Städten unser Freizeitangebot sehr gerne wahrnehmen und sich dadurch ein persönliches Netzwerk aufbauen können.

Gibt es eine zentrale „Goldene Regel“ für das Berufsfeld des Feel-Good-Managers?

Achtsam und aufmerksam sein, gut zuhören und kommunizieren.

Orientierst du dich an speziellen Coaching-Methoden oder handelst du aus dem Bauchgefühl heraus?

Unser Team ist methodisch sehr gut aufgestellt. Ich nutze seit Jahren unter anderem lösungsfokussiertes Coaching. Und unsere Junior-Feel-Good-Managerin bringt mehrjährige personen- und community-orientierte Beratungserfahrung mit.

Ist Feel-Good-Managerin ein Traumberuf für dich? Gibt es auch Schattenseiten?

Das Berufsfeld des Feel-Good-Managers verbindet sehr viele Elemente, die meinen Traumberuf ausmachen. Beratung und Coaching für diverse Bezugsgruppen, Projektarbeit zu sehr vielfältigen Themen oder Netzwerkarbeit, um nur einige zu nennen. Eine derzeitige Schattenseite ist für mich, dass die Wichtigkeit des Feel-Good-Managements noch nicht in jeder Firma thematisiert wird, das Berufsfeld teilweise sogar belächelt wird.

Was tust du als Feel-Good-Managerin an Tagen, an denen du dich selbst nicht so gut fühlst?

Ich persönlich suche Kontakt zu netten Kollegen. Manchmal ist ein kleiner Schnack – wie wir in Hamburg sagen – schon sehr aufbauend, auch wenn es dabei nicht um eine Problemlösung geht. Ein paarmal tief durchatmen, Coachingstrategien auch bei sich selber anwenden oder Verwaltungsarbeit erledigen, ist ebenso hilfreich.

Wir im Feelg-Good-Team sind keine immerglücklichen Animateure, sondern Menschen, die authentisch das geben, was in diesem Augenblick möglich ist. Das kommt bei unseren Kollegen besser an als ein aufgesetztes Lächeln an einem anstrengenden Tag.

Bist du mit anderen Feel-Good-Managern vernetzt bzw. besuchst du Weiterbildungen oder Events für das neue Berufsfeld?

Ja, ich war erst Ende Januar auf einem Netzwerktreffen von Feel-Good-Managern aus dem deutschsprachigen Raum, das sehr spannend war. Es ist sehr inspirierend zu diskutieren, wie in anderen Firmen Feel-Good-Kultur gelebt und gestaltet wird.

Wie wird sich, deiner Meinung nach, das Berufsfeld des Feel-Good-Managers in den nächsten 5 Jahren entwickeln?

Ich denke, der Gesundheitsfaktor bzw. das Thema Prävention werden eine zunehmende Rolle spielen. In den Fokus rücken werden außerdem interkulturelle Themen, um möglichst alle Mitarbeiter – egal welcher Herkunft – erfolgreich integrieren zu können. Das Aufgabenfeld eines Feel-Good-Managers wird also immer diverser, nie langweilig und vor allem sehr sinnvoll bleiben.

Vielen Dank, liebe Sophie, für die spannenden Einblicke zum Thema Feel-Good-Management bei Goodgame Studios!