Feel-Good-Management bei Spreadshirt: Kommt aus dem Bauch und liegt in den Genen

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Feel-Good-Managerin Stefanie und ihre Spreadster beim Bogenschießen in der Leipziger Baumwollspinnerei

Teil eins unserer Interview-Reihe zum Thema Feel-Good-Management: Die Online-Plattform Spreadshirt zählt zu den Vorreitern auf dem Gebiet des deutschen Feel-Good-Managements. Im Headquarter nahe Leipzig sorgt Stefanie Häußler bereits seit etwa dreieinhalb Jahren für Wohlfühl-Atmosphäre. Die gelernte Hotel- und Tourismusmanagerin bewarb sich 2011 als „Kulturbeauftragte“ im Unternehmen. Die Liebe zu ihrer Heimat Leipzig aber auch jede Menge Auslandserfahrung verhalfen ihr letztlich zu dem Posten in der Personalabteilung. Zu Beginn ihrer Feel-Good-Laufbahn war ihr noch nicht ganz klar, welche Aufgaben auf sie zukommen würden. Heute weiß sie, dass ganz einfache Zutaten wie ein schöner Arbeitsplatz, gemeinsame Erlebnisse und ein offenes Ohr das Geheimrezept für eine Wohlfühl-Kultur sind. Mit frischen Frühlingsblümchen im Büro, dem wöchentlichen Suppentag und Ausflügen zum Bogenschießen: Stefanie hält die Mitarbeiter zusammen, auch wenn das Unternehmen weiter wächst.

Stefanie, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns zum Thema Feel-Good-Management Rede und Antwort zu stehen. Blicken wir doch mal ein paar Jahre zurück: Was denkst Du, weshalb Spreadshirt 2011 einen Feel-Good-Manager brauchte?

Spreadshirt ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Als ich 2011 als erste Feel-Good-Managerin im Unternehmen anfing, waren wir bereits etwa 150 Mitarbeiter – und es sollten noch mehr werden. Trotz des starken Wachstums war es Spreadshirt wichtig, sich eine gewisse Start-up-Kultur zu bewahren, eine Atmosphäre, wo jeder jeden kennt und die Mitarbeiter trotz der Unternehmensgröße nicht zu weit auseinander rücken. Das ist nicht so einfach, wenn die Firma schnell wächst. Es wurde also jemand gebraucht, der die Leute auch teamübergreifend zusammenbringt und sich um ihre Bedürfnisse kümmert.

Das Berufsfeld des Feel-Good-Managers wird in den Medien mit verschiedenen Begriffen beschrieben. Vom Büro-Bespaßer oder Mädchen-für-Alles bis hin zum Betriebsseelsorger – Mit welchem Begriff würdest Du Deine Rolle bei Spreadshirt beschreiben?

Die Bezeichnung Netzwerker trifft es, denke ich, ganz gut. Ich arbeite sehr eng mit verschiedenen Unternehmensbereichen zusammen. Teil meiner Arbeit ist es, mir immer die richtigen Ansprechpartner für meine Projekte zu suchen. Und natürlich bin ich selbst auch ein wichtiger Ansprechpartner für die Mitarbeiter. Ich kann nicht immer bei jedem Anliegen helfen, aber ich weiß zumindest, wer helfen kann.

Die Aufgaben eines Feel-Good-Managers sind bekanntlich sehr vielfältig. Kannst Du Deine Verantwortlichkeiten für uns in Hauptbereiche zusammenfassen?

Ich würde sagen, es gibt insgesamt vier Kernbereiche, für die ich in meiner Rolle als Feel-Good-Managerin zuständig bin. Zunächst ist das das Planen von Events und Freizeitangeboten. Da ist von gemeinsamen Bar-Abenden bis zu unserem traditionellen Sommerfest alles dabei. Der Begriff Personalbetreuung fasst den zweiten Zuständigkeitsbereich ganz gut zusammen und schließt auch das Onboarding neuer Kollegen ein. Die Aufgaben reichen da von der Beantwortung von einfachen Fragen zum Arbeitsalltag bis hin zur Unterstützung bei Behördengängen und der Kita-Platz-Suche. Ein dritter wichtiger Punkt ist das Gesundheitsmanagement. Gemeinsam mit einer Kollegin aus der Personalabteilung organisiere ich Aktionen zur Gesundheitsprävention. Letztes Jahr gab es beispielsweise eine Anti-Stress-Woche und wir hatten auch schon Diätassistenten zu Besuch, die uns zum Thema „Gesunde Snacks“ leckere Rezepte gezeigt haben. Der vierte Zuständigkeitsbereich ist die interne Kommunikation. Eine große Rolle spielt dabei unser interner Blog. Ich schreibe selbst sehr viele Beiträge, gehe auf Themensuche und kümmere mich um das Redakteur-Recruiting. Und natürlich lasse ich mir über meine Hauptaufgaben hinaus viele tolle Kleinigkeiten für die Mitarbeiter einfallen. Diese Woche möchte ich beispielsweise frische Blumen für die Büros besorgen, damit der Frühling bei uns einzieht.

Wie sieht ein „ganz normaler Arbeitstag“ für Dich aus?

Welche Eigenschaften bringst Du als Feel-Good-Managerin mit?

Ich glaube, ich bin recht offen und kommunikativ. Für den Job muss man in der Lage sein, aus sich rausgehen können, um Leute anzusprechen und ihnen aktiv ein offenes Ohr anzubieten. Gerade wenn neue Mitarbeiter zu uns kommen, gehört auch ein Stück weit Selbstmarketing und eine gewisse Verkäuferqualität dazu. Das heißt, ich versuche die Leute für unsere Angebote zu begeistern ohne aufdringlich zu sein. Empathie und Einfühlungsvermögen sind genauso wichtig. Meine Auslandserfahrung ist da natürlich ein großer Vorteil: Als ich damals nach Spanien ging, konnte ich kein Wort spanisch. Ich kenne also die üblichen Hürden bei einem Neuanfang im Ausland und kann deshalb unsere internationalen Kollegen bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen gut unterstützen.

Was sind Deine Ziele als Feel-Good-Managerin? Wie misst Du Deinen Erfolg?

In erster Linie ist es mein Ziel, dass Spreadshirt als Arbeitgeber attraktiv wahrgenommen wird – sowohl von den Mitarbeitern selbst als auch von möglichen Bewerbern. Ein gutes Arbeitgeberimage war auch der ausschlaggebende Punkt, weshalb die Geschäftsführung beschlossen hat, diese Stelle überhaupt zu besetzen. Es ist natürlich toll, wenn über uns als Top-Arbeitgeber gesprochen wird und wir positives Feedback bekommen. Meine Arbeit empfinde ich auch dann als erfolgreich, wenn die Mitarbeiter gern und oft an unseren Angeboten teilnehmen und sich bei uns wohlfühlen.

Was macht Feel-Good-Management bei Spreadshirt besonders?

Ich denke, das Besondere an Spreadshirt ist, dass das Feel-Good-Thema ganz tief in der Firmenkultur verankert ist. Es wurde nicht mit meiner Einstellung 2011 erfunden oder etabliert, es war schon da und musste nur professionalisiert werden. Es ist etwas, das mit uns gewachsen ist und ganz tief in unseren Spreadshirt-Genen steckt. Der Feel-Good-Gedanke wird von allen gelebt und mitgetragen – vom Mitarbeiter bis zum Vorstand.

Orientierst Du Dich bei Deiner Arbeit an speziellen Coaching-Methoden oder handelst Du aus dem Bauch heraus?

Bei mir kommt alles aus dem Bauch, statt aus dem Buch. Nicht alles, was ich tue, ist immer super strategisch. Wenn ich mal eine Entscheidung nicht sofort treffen kann, dann berate ich mich natürlich mit Kollegen oder hole mir einen Ratschlag von meiner Chefin.

Bist Du mit anderen Feel-Good-Managern vernetzt bzw. besuchst Weiterbildungen oder Events für das neue Berufsfeld?

Ich kenne ein paar andere Feel-Good-Manager und war auch in Hamburg beim ersten Feel-Good-Meetup dabei. Aber was das Thema Netzwerken betrifft, bin ich momentan nicht so hinterher. Dazu fehlt mir auch irgendwie die Zeit. Ich finde es viel wichtiger hier vor Ort für die Leute da zu sein, als auf irgendwelchen Events herumzustehen. Seminare und Weiterbildungen besuche ich auch nicht. – Allerdings fänd ich es spannend, da mal inkognito dabei zu sein. Ich würde echt gern wissen, was sie den Leuten da beibringen – sind es eher Kommunikationstechniken oder liegt der Schwerpunkt auf der Organisation? Das würde mich echt interessieren!

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Wie wird sich, deiner Meinung nach, das Berufsfeld des Feel-Good-Managers in den nächsten Jahren entwickeln?

Wenn es inzwischen schon Weiterbildungen zu dem Thema gibt, geht der Trend wohl stark in Richtung Professionalisierung und Vereinheitlichung des Berufsbildes. Ich glaube auch, dass es in immer mehr Unternehmen Stellen geben wird, die das Thema Personal und Mitarbeiter nicht mehr nur von einer Verwaltungsperspektive betrachten, sondern die Kommunikation und das Menschliche mehr in den Vordergrund rücken. Ob diese Stellen dann unter den Begriff „Feel-Good-Management“ fallen oder ob man da andere Bezeichnungen dafür finden wird, sei dahin gestellt. Aber es wird schon jetzt sehr deutlich, dass sich die Menschen immer stärker daran orientieren, wo und wie sie gerne arbeiten möchten. Eine etablierte Feel-Good-Kultur kann da natürlich eine wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers spielen.

Vielen Dank, liebe Stefanie, für die spannenden Einblicke zum Thema Feel-Good-Management!