Facebook startet das soziale Netzwerk für’s Büro – Was steckt dahinter?

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Heute schon während der Arbeit auf Facebook gesurft? Na klar – kurz die Neuigkeiten checken oder sich mit den Kollegen von gegenüber zum Mittag verabreden. Facebook ist für die meisten ein hilfreiches Tool geworden, auf das wir auch während der Arbeit nicht verzichten möchten. Das soziale Netzwerk, das vielen Chefs lange ein Dorn im Auge war, plant nun seinen offiziellen Einzug in die Büros von morgen und will künftig in der Arbeitswelt kräftig mitmischen.

Vom Produktivitätskiller zum effizienten Collaboration Network

Mitte Januar hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley die Business-Version „Facebook at Work“ in die Testphase geschickt. Während das beliebte Social Network bisher für Zeitverschwendung und Ablenkung am Arbeitsplatz stand, soll sein Firmen-Pendant nun die interne Kommunikation von Unternehmen revolutionieren.
Facebook at Work ist eine geschlossene Kollaborationslösung, die Unternehmen nutzen können, um Informationen auszutauschen und lange Kommunikationswege via E-Mail und Co. zu verkürzen. Der neue Facebook-Dienst für das Büro vernetzt dabei ausschließlich Nutzer innerhalb eines Unternehmens. So können sich Mitarbeiter beispielsweise im Firmen-Netzwerk über den aktuellen Stand ihrer Projekte informieren und künftige Arbeitsschritte über Teamgrenzen hinweg beraten. Und damit Katzenvideos nicht neben interner Projektkommunikation im News-Stream auftauchen, ist Facebook at Work komplett vom privaten Original-Netzwerk getrennt.

Bekanntes nutzen statt neue Wege gehen

Die Idee eines Enterprise Social Networks ist alles andere als neu: Facebook at Work begibt sich dabei in Konkurrenz zu bereits etablierten Lösungen von Google und Microsoft. Die große Chance des Business-Ablegers bestehe laut Facebook aber eindeutig darin, dass die meisten Mitarbeiter mit der Nutzung des Social Networks bereits vertraut sind. Da das Ganze auf den altbekannten Funktionen des blauen Riesen basiert, wissen sie den News Feed, Gruppen, Nachrichten und Events für interne Zwecke zu nutzen. Die neue Plattform dürfte sich also bei den Mitarbeitern schneller etablieren als ein neues Intranet oder andere Kollaborations-Tools. So sparen sich Unternehmen kostspielige Schulungen und können das Enterprise Social Network sofort und effektiv einsetzen.

Enterprise Social Networks: Von Wissensmanagement und der Suche nach dem iPhone-Kabel

Zum einen helfen interne soziale Netzwerke, das Know-How der Kollegen schnell und unkompliziert anzapfen zu können und stellen damit einen großen Vorteil in Sachen Wissensmanagement dar. Zum anderen fördern diese Dienste die Unternehmenskultur und tragen wesentlich zu einer motivierten Belegschaft bei, wenn Erfolge auf dem digitalen Parkett gemeinsam gefeiert werden können. Über die virtuelle Unternehmensbühne bleiben auch die Kollegen im Home Office oder Außendienst stets an Themen und Gesprächen beteiligt. Allerdings ist es fraglich, ob nicht auch die privaten Nutzungsgewohnheiten des Originalnetzwerks in die Büros überschwappen: Sobald Urlaubsgrüße, Baby-News und die Suche nach einem iPhone-Kabel den News-Stream dominieren, ist es mit dem effizienten Kollaborations-Werkzeug wohl auch vorbei.

Und in puncto Sicherheit?

Laut aktueller Informationen gelten für Facebook at Work die gleichen hohen Sicherheitsstandards wie für die Original-Plattform. Doch besonders wegen seiner fragwürdigen Datenschutzbestimmungen stand Facebook bereits des Öfteren in der Kritik. Bei der Etablierung eines Firmennetzwerks müsste der Tech Riese aus Menlo Park also zunächst das Vertrauen von Organisationen und Unternehmen gewinnen, um sich auch in der internen Kommunikation etablieren zu können.

Facebook noch auf unbestimmte Zeit nicht at Work

Derzeit steht die Firmen-Version nur einem exklusiven Testzirkel zur Verfügung und wird für den Business-Einsatz optimiert. Außerdem bemüht sich Facebook gerade darum, den Dienst für den Unternehmenseinsatz zertifizieren zu lassen. Wie lange es bis dahin noch dauern wird, ist allerdings ebenso offen wie der Termin für seine Markteinführung. Ob wir schon bald das beliebte Social Network im Büro ganz offiziell nutzen dürfen, bleibt zunächst abzuwarten.