Wie 1989 das Arbeitsleben von 2014 gedacht wurde

2
Typewriter Man! CC BY starmanseries
Typewriter Man! CC BY starmanseries

Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Fünfundzwanzig Jahre, ein Vierteljahrhundert – das ist eine lange Zeitspanne, in der sich auch die Art und Weise unseres Arbeitslebens rasant gewandelt hat. Grund genug zu schauen, welche Zukunftsvisionen es 1989 für das Arbeitsleben im Jahr 2014 gab. Eins vorneweg: Eine zentrale Komponente unseres heutigen Alltags war damals noch gar nicht vorstellbar.

Knapp ein halbes Jahr vor dem Mauerfall am 9. November 1989 versuchte das Wall Street Journal anlässlich seines 100. Geburtstags eine Zukunftsvision aufzuzeigen, wie die Welt in 25 Jahren aussehen könnte. Genauso wenig voraussehbar, wie der Fall der Mauer noch zu dieser Zeit, war dabei die erst Mitte der Neunzigerjahre einsetzende Digitalisierung des Alltags. Denn unsere heutige Abhängigkeit von Internet und Smartphone – heute selbstverständliche Hilfsmittel im Berufsleben – wurde 1989 von den Allerwenigsten auch nur erahnt.

Bill Gates‘ damalige Prophezeiung kleiner sprechender „Digital-Assistenten“ erinnert jedoch bereits an die heutigen Smartphones. Gates sprach damals von kleinen Geräten, die über eine kabellose Anbindung verfügen und in die Menschen handschriftliche Notizen eingeben können. Von den Mobilgeräten als persönliche Helferlein im beruflichen wie privaten Kontext, wie wir sie heute kennen und nutzen, ist diese Einschätzung jedoch weit entfernt.

Auch das heutige Ausmaß der Digitalisierung, bei dem das damals noch kaum bekannte Internet heute immer mehr als „Outernet“ quasi auf die Straße rückt, war damals kaum vorstellbar. Eng damit verbunden: Die permanente Erreichbarkeit, der zahlreiche Arbeitnehmer heute ausgesetzt sind, war noch vor 25 Jahren nicht abzusehen. Dies zeigt auch eine Studie des BAT Freizeit-Forschungsinstituts von 1989 über das „Arbeiten nach dem Jahr 2000“. Die Studie trennt damals strikt Freizeit und Arbeit, während beide „Welten“ inzwischen deutlicher zu verschmelzen scheinen.

Näher an der Realität scheint die Studie dagegen in ihrer Einschätzung, dass Arbeitnehmer nach der Jahrtausendwende mehr Erfüllung, Lebensqualität und Selbstverwirklichung in ihrer Arbeit finden wollen würden. Bereits die damals Jüngeren, so die Studie, „erwarten den gleichen Erlebniswert im Arbeitsleben, den ihnen die Freizeit bereits beschert“. Diese Forderung, die heute oftmals auch der sogenannten „Generation Y“ zugeschrieben wird, war also schon unter den heute 45- bis 54-Jährigen scheinbar weit verbreitet.

Ein weiterer Anspruch der „Generation Y“ dreht sich rund um das Thema Work-Life-Balance. In diesem Kontext erwähnte das Wall Street Journal bereits 1989, dass Unternehmen sich 2014 stärker darum bemühen würden, ihren Mitarbeitern etwa bei Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen unter die Arme zu greifen. Nicht zuletzt ist die Diskussion um die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben jedoch ebenfalls eine Folge der digitalen Seele, die immer mehr in unseren Alltag einzutauchen scheint und uns so ermöglicht, quasi von überall aus arbeiten zu können – egal ob im Büro oder zu Hause.

Egal ob Smartphones, Cloud-Speichersysteme oder soziale Netzwerke – selbst die visionärsten Köpfe des Jahres 1989 waren nicht in der Lage abzuschätzen, welche Rolle das Internet heute für unsere Arbeit bedeuten würde. Angesichts der Veränderungen, die das Arbeitsleben durch die Digitalisierung in den vergangenen 25 Jahren erfuhr, folgt an dieser Stelle abschließend auch kein vager Ausblick in die Zukunft, sondern lediglich ein Verweis darauf, was das Arbeitsleben von damals, heute und wohl auch zukünftig bestimmen wird. Fleiß, Pflichtbewusstsein und eine Portion Ehrgeiz – denn diese Tugenden sind unabhängig von der Digitalisierung auch heute noch unangetastet.