Downshifting: Die bewusste Entscheidung für weniger Arbeit und mehr Leben

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Jede Menge Überstunden und Arbeit am Wochenende, ein hohes Einkommen, aber kaum Freizeit. Oben auf der Karriereleiter angekommen, geraten viele an den Punkt, an dem sie sich fragen: „War‘s das jetzt?“ oder „Bin ich eigentlich glücklich, mit dem, was ich hier tue?“ Der Trend zum Kürzertreten ist die Antwort auf die sprichwörtliche Tretmühle im Berufsalltag. Raus aus dem Hamsterrad und einfach mal einen Gang zurückschalten ist die Devise.

Runterschalten: Karriereknick statt Freizeitkick?

Doch was sich so einfach anhört, ist in unserer schnelllebigen und erfolgsorientierten Gesellschaft bisher für die Wenigsten eine echte Option. Viel zu groß ist die Angst vor dem Karriereknick. Es ist also kein Zufall, dass es im Deutschen bisher noch kein brauchbares Wort für „Downshifter“ gibt, während das Konzept „Weniger Arbeit für mehr Leben“ in den Vereinigten Staaten bereits seit den Neunzigerjahren Anwendung findet. In amerikanischen Studien gibt fast die Hälfte aller Berufstätigen an, zugunsten einer gesunden Work-Life-Balance bereits Beförderungen abgelehnt, Arbeitszeit verringert oder Arbeitsziele heruntergeschraubt zu haben.

Von Teilzeit bis Totalausstieg: Weniger ist mehr

Besonders bei Menschen in verantwortungsvollen Positionen wächst auch hierzulande nach Jahren des Abrackerns der Wunsch, die verbleibende Lebenszeit sinnvoller zu nutzen. Dies drückt sich aus in Arbeitszeitverkürzungen, sogenannten Sabbaticals oder dem totalen Ausstieg aus dem schnöden Bürojob. Man hört von einem Investmentbanker, der sich seinen Traum von der eigenen Tauchschule erfüllt, oder dem Familienvater, der künftig nur noch halbtags im Büro anzutreffen ist. Downshifting ist vor allem eine bewusste Entscheidung, durch mehr Zeit für sich zu einem selbstbestimmteren, glücklicheren und gelasseneren Leben zu finden, aber auch auf ein gewohntes Einkommen und Konsum zu verzichten.

Generationsübergreifend: Der Wunsch nach einer gesunden Work-Life-Balance

Eine wichtige Voraussetzung für die Entschleunigung des Arbeitslebens ist selbstverständlich, dass man dies auch finanziell tragen kann. Ein Bewusstsein für die richtige Balance zwischen Karriere und „Quality Time“ ist nicht nur der Generation vorbehalten, die bereits einen Großteil ihrer beruflichen Karriere hinter sich hat. Dies wird zunehmend durch den Einfluss der erst kürzlich in den Arbeitsmarkt eingetretenen Generation Y deutlich. Der ausdrückliche Wunsch nach einer Work-Life-Balance scheint eine generationsübergreifende Entwicklung unserer modernen Arbeitswelt zu sein. Auch die jüngeren Arbeitnehmer, welche zum Teil erst am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen, wollen längst nicht mehr alles für die Karriere opfern, sondern von Anfang an den gesunden Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit leben.

In Ausnahmefällen: Urlaubsantrag abgeschafft

Zukunftsorientierte Unternehmen haben den Trend zum Kürzertreten bereits erkannt und bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu individuellen Arbeitszeitverkürzungen oder Sabbaticals. Der Virgin-Chef Richard Branson geht sogar so weit, seinen Mitarbeitern künftig so viel Urlaub zu gewähren, wie sie möchten und wann sie wollen. Auch andere US-Unternehmen, wie der IT-Dienstleister Evernote und auch der erst kürzlich in Deutschland gestartete Streaming-Dienst Netflix, überlassen es ihren Mitarbeitern selbst, wann und wie lange sie in den Urlaub verschwinden.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Kommt mit der Generation Y die Trendwende?

In Statistiken schlägt sich die Umsetzung des Wunsches nach mehr Freizeit bisher noch nicht nieder. Die Arbeitszeiten der Deutschen sind seit 2008 wieder hartnäckig gestiegen. Bedenkt man aber, dass die Generation Y in einigen Jahren mit ihren Wünschen und Bedürfnissen die Arbeitsbedingungen nachhaltig prägen wird, so verrät der Blick in die nahe Zukunft bereits, dass das Thema Downshifting in der Arbeitswelt der Zukunft auf den Agenden der Unternehmen und Konzerne mit Sicherheit seinen Platz finden wird.