Arbeitsparadies Silicon Valley: Wie die Tech-Riesen ihre Mitarbeiter verwöhnen

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Edles Restaurant mit Spitzenköchen, Fitness-Center, Einkaufszentrum, Friseur, Beachvolleyball-Anlage und Kletterwand – Im kalifornischen Silicon Valley bekommen die Mitarbeiter das volle Verwöhnprogramm. Die Firmengelände von Unternehmen wie Facebook, Google und Co. sehen aus wie eine Mischung aus Unicampus und Ferienressort. Die Tech-Riesen scheuen keine Kosten und Mühen, um den Wohlfühlfaktor für ihre Mitarbeiter so hoch wie möglich zu halten. Wozu noch nach Hause gehen, wenn man die Freizeitangebote der Firma jederzeit kostenlos nutzen kann? Die Grenzen zwischen dem Arbeitsplatz und dem Privatleben verschwimmen im Valley immer mehr.

Mitarbeiterbindung: Der Arbeitsplatz wird zum erweiterten Zuhause

Dass es in der unternehmenseigenen Kleinstadt alles gibt, was man zum Leben und Wohlfühlen braucht, ist kein Zufall: Die Konzerne wollen ein Umfeld schaffen, das keiner mehr verlassen will. Für eine effektive Mitarbeiterbindung nehmen die Tech-Riesen des Valleys ihren Mitarbeitern alle Erfordernisse des Alltags so weit wie möglich ab. Sie versuchen damit nicht nur Spitzenkräfte im hart umkämpften Markt zu rekrutieren, sondern auch langfristig zu binden. Die Angebote des unternehmerischen Wohlfühl-Pakets gehen sogar über die Grenzen des Firmengeländes hinaus: Putzfrau, Shuttle-Service mit WLAN, Kinderbetreuung und eine Versicherung für den Hund. Die Liste sogenannter Incentives bei Google und Facebook ist lang.

Der Google-Campus: Ein buntes Paradies in Mountain View

Der Technologiekonzern mit rund 50.000 Mitarbeitern brachte das Komfort-Wettrüsten unter den Technologie-Konzernen im Valley bereits vor Jahren in Gang. Der Suchmaschinen-Riese will die glücklichste und gesündeste Belegschaft auf Erden haben und setzt das Wohlfühl-Konzept an allen Standorten weltweit um. Besonders das Hauptquartier in Mountain View, rund um das Googleplex-Firmengebäude zwischen dem Highway 101 und der San Francisco Bay, erscheint wie ein Paradies in der Sonne Kaliforniens. Zwischen den gepflegten Grünflächen schlendern oder radeln die rund 20.000 Mitarbeiter hin und her, viele auf bunten Fahrrädern mit Körbchen am Lenker. Sie gehen zum Zahnarzt, Psychologen, Masseur, in die Reinigung oder zum Kfz-Mechaniker – ohne je den Google-Campus verlassen zu müssen. Wer doch einmal raus muss, kann eines der hauseigenen Elektro-Autos oder den Google-Shuttle nutzen.

Das Facebook-Imperium: Eine sonnige Kleinstadt in Menlo Park

Zwölf Kilometer nordwestlich vom Google-Campus befindet sich das Facebook-Hauptquartier, ein kleinformatiges Disneyland, das aussieht, wie das Zentrum einer heilen amerikanischen Vorzeige-Kleinstadt. Über 6000 Mitarbeiter arbeiten auf dem 93.000 Quadratmeter großen, stadtähnlichen Facebook-Campus. Dort gibt es Cafés, Restaurants, eine Eisdiele, ein Fitness-Center, eine Spielhalle, eine kleine Klinik, einen Chiropraktiker, eine Fahrradwerkstatt, eine Schreinerei, eine Druckerei, einen Friseur und eine Reinigung. Auf einer riesigen Leinwand auf dem „Hacker Square“ wird ab und an abends ein Film gezeigt. Auch hier gilt die Devise: Die Mitarbeiter mit so vielen kostenlosen Annehmlichkeiten wie möglich zu binden. Die durchschnittlich 26-jährige Belegschaft sitzt nicht in Großraumbüros fest: Da der gesamte Campus mit WLAN versorgt ist, wird unter der kalifornischen Sonne in Liegestühlen oder im Café gearbeitet. Auch die Familie der Mitarbeiter findet im Zuckerberg-Kosmos seinen Platz: Für werdende Eltern gibt es einen Bonus von 4000 Dollar für alle Notwendigkeiten, vier Monate Elternurlaub sowie eine Kinderbetreuung für Notfälle. Wird das Kind krank, schickt Facebook sogar eine Betreuerin nach Hause. All diese Leistungen vermitteln den Mitarbeitern das Gefühl, dass die Familie eine natürliche Erweiterung ihres Jobs ist, für die auch der Arbeitgeber Sorge trägt.

Verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Privatem

Das Resultat von so viel Betreuung ist wohl, dass für die Mitarbeiter jeder Aspekt des Lebens mit dem Unternehmen verbandelt ist. Wer sich das Abendbrot vom 5-Sterne-Koch mit nach Hause nehmen darf, geht abends nicht mehr mit den Freunden aus. Und die umfangreichen Angebote am Arbeitsplatz sind auch am Wochenende viel spannender als jedes alternative Freizeitprogramm. Viele der rundum betreuten Mitarbeiter verlieren den Kontakt zur Außenwelt, das beginnt beim Freundeskreis, geht über das gesellschaftliche Leben bis hin zur Partnersuche. Hat man es ins Silicon Valley geschafft, ist man im Mikrokosmos der Tech-Riesen gefangen.

Hand auf’s Herz

Wer hier das Haar in der Suppe sucht, der findet. Aber wenn wir ehrlich sind, wünschen wir uns doch alle einen Arbeitgeber, der so viel für unser Wohlergehen tut, wie die Tech-Riesen im Silicon Valley.