Die WM am Arbeitsplatz – Was geht und was nicht?

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Ab heute herrscht in Deutschland wieder Ausnahmezustand. Die Leinwände werden aufgestellt, die Fahnen und Tröten herausgeholt. Für mehrere Wochen gibt es auch in deutschen Büros nur ein einziges Thema: Die WM 2014. Doch wie weit darf die Fußball-Leidenschaft am Arbeitsplatz gehen? Der Deutsche Anwaltverein (DAV) gibt Hinweise, wie man auch zur Weltmeisterschaft im Büro positiv punkten kann.

Grundsätzlich ist der arbeitstätige Fußballfan gut beraten, wenn er sich im Vorfeld bei seinem Vorgesetzten über die Fan-Gepflogenheiten am Arbeitsplatz informiert. Im besten Falle ist der Chef ein ebenso begeisterter Fußballnarr und regt die Mitarbeiter selbst zu Bürotippspielen und schwarz-rot-gelber Schreibtisch-Deko an. Wer es jedoch mit einem WM-Muffel zu tun hat, sollte achtsam sein: Wer unerlaubt seiner Fußball-Leidenschaft am Arbeitsplatz nachgeht, riskiert unter Umständen eine Abmahnung.

Fandeko – „Flagge zeigen“ am Schreibtisch

Während der WM den Schreibtisch in einen schwarz-rot-gelben Schrein zu verwandeln und Fahnen aus dem Bürofenster zu hängen, zeugt zwar von vortrefflicher Fanmanier, kann jedoch vom Chef untersagt werden. Als Eigentümer der Räumlichkeiten kann dieser im Zweifelsfall das Schmücken verbieten, zum Beispiel wenn dies gegen die Brandschutzbestimmungen verstößt. Auch an Arbeitsplätzen mit regem Publikumsverkehr könnten die Fähnchen dem Chef aus gutem Grund ein Dorn im Auge sein. Wer trotz Verbot Farbe bekennt, muss mit einer Abmahnung rechnen.

Tippspiele – WM-Punktejagden im Büro

Tippspiele gehören in Deutschland inzwischen genauso zur WM wie gutes Bier und Grillwürstchen. Auch im Büro erfreuen sich die Punktejagden immer größerer Beliebtheit. Da Wetten rein rechtlich in Ordnung sind, darf also auch im Büro gezockt werden – allerdings nur in den Pausen! Das WM-Tippen ist ein Privatvergnügen und darf die Arbeitsleistung des Einzelnen nicht beeinträchtigen. Möchten Arbeitnehmer online ihre Favoriten tippen, so sollten sie vorher prüfen, ob sie den Büro-Rechner überhaupt für private Zwecke nutzen dürfen. Dies ist in der Regel in den Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag nachzulesen.

Ticker und Stream – Auch während der Arbeit live dabei

Glücklicherweise ist die diesjährige WM arbeitnehmerfreundlich, denn aufgrund der Zeitverschiebung erfolgt der Anstoß am Zuckerhut in den meisten Fällen erst, wenn es in Deutschland schon recht spät am Abend ist. Einige Spiele des World Cup hingegen beginnen bereits 18 Uhr. Wer zu dieser Zeit noch im Büro sitzen muss, darf nicht einfach nebenbei Fußball schauen. Auch hier gilt: Fernsehen lenkt von der Arbeit ab, das muss der Chef nicht hinnehmen. Die Übertragungen dürfen nur angesehen werden, wenn eine ausdrückliche Erlaubnis vom Vorgesetzten vorliegt. Sollte es jedoch keine unternehmensinterne Regelung dazu geben, so ist die Fußball-Weltmeisterschaft als Live-Ereignis tabu. Auch der Zugriff auf Live-Ticker und die Online-Recherche nach Ergebnissen sind nur in der Arbeitspause erlaubt, sofern der Arbeitgeber die private Nutzung des Büro-Computers genehmigt.

Gibt es sowas wie „WM-frei“?

Fakt ist: WM-Fans haben keinen Rechtsanspruch auf WM-Urlaub, weder bezahlt noch unbezahlt. Wer sich während der Weltmeisterschaft spontan ein paar Tage frei nehmen möchte, kann nicht mehr tun als auf das Wohlwollen des Vorgesetzten zu hoffen. „Der Arbeitgeber muss Urlaubswünsche des Arbeitnehmers generell berücksichtigen. Er kann sie aber auch ablehnen, wenn wichtige betrieblich Gründe dagegensprechen – zum Beispiel ein wichtiges Großprojekt“, sagt Rechtsanwältin Dr. Barbara Reinhard von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Fangepflogenheiten im internationalen Vergleich

Eine Studie des Online-Befragungsunternehmens SurveyMonkey ergab, dass knapp die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer, etwa 44 Prozent, nicht von unternehmensinternen Sonderregelungen in Zeiten der WM profitieren kann. In Brasilien hingegen zeigen sich Arbeitgeber äußerst gnädig, denn dort dürfen 76,4 Prozent die Spiele bei der Arbeit oder sogar vor dem heimischen Fernseher verfolgen. Am Zuckerhut scheint man generell eine weitaus größere Leidenschaft für den Ballsport an den Tag zu legen. Immerhin ist jeder vierte Brasilianer bereit, zumindest teilweise seinen Job zu riskieren, um die Spiele des World Cup anschauen zu können. In Deutschland hingegen trifft das nur auf jeden Zehnten zu.

Auch wenn in diesem Sommer wieder der Fußballwahn die Deutschen fest im Griff hat, so muss jeder Arbeitnehmer individuell prüfen, was im Büro erlaubt ist und was nicht. Doch richtig punkten könnten hingegen die Chefs, indem sie die Stimmung der WM nutzen und diese zum Mitarbeiter-Event umfirmieren. Denn wenn sich die Kantine in eine jubelnde, schwarz-rot-gelbe Fankurve verwandelt, macht das nicht nur die Mitarbeiter glücklich.