Gefährliche Liebschaften – Fatale Freuden @Work?

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© Gina Sanders - Fotolia.jpg
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Fast jede dritte Beziehung entsteht unter Arbeitskollegen. Das sollte nicht verwundern. Bei durchschnittlich 250 gemeinsam verbrachten Tagen im Jahr kann es schon mal funken. Doch am Arbeitsplatz kann Liebe auch Sünde sein, um einen bekannten Schlager zu paraphrasieren. Nicht überall werden Kollegen-Paare gern gesehen. Nicht alle Unternehmen gehen mit dem Thema entspannt um. Offiziell scheint es hierzulande – anders als in den USA – keine expliziten Regelungen zu geben. Ungern gesehen werden Beziehungen zwischen Azubis und deren Ausbildern sowie zwischen Geschäftsführung und Personalern. Da wird einem der beiden durchaus schon mal nahe gelegt, zu gehen. Vielleicht ist das in solchen Fällen auch angebracht. Aber woher rührt diese „Generalskepsis“ gegenüber Partnerschaften am Arbeitsplatz? Welche Vorbehalte gibt es und was ist dran an ihnen?

Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz senken die Leistung: wirklich?

Abgesehen davon, dass viele Arbeitnehmer es für unprofessionell halten, „etwas mit einem Kollegen anzufangen“, hält sich hartnäckig die Überzeugung, eine Office-Liaison beeinflusse die Arbeitsleistung negativ. Und in der Tat zeigen Untersuchungen, dass zu Beginn einer Büro-Partnerschaft die Arbeitsleistung der Partner sinken kann. Wenn die Beziehungen länger als ein Jahr dauern, erreicht die Produktivität aber in der Regel wieder das alte Niveau.

Wenn man etwas genauer hinschaut, spielen weitere Aspekte wie „love motive“ oder die Hierarchie der Partner eine Rolle. Verliebte Kollegen, die eine Beziehung eingehen, erhöhen durch die Paarbildung ihre Produktivität. Partnerschaften, bei denen Ego-Motive (z.B. Prestige) abgedeckt werden sollen oder von denen sich einer der Partner Karrierevorteile verspricht, haben offenbar einen negativen Einfluss auf die gemeinsame Arbeitsleistung. Auch die Hierarchie der Partner hat Einfluss auf die Arbeitsleistung des Paares. Wenn der Chef mit der Sekretärin anbändelt, hat das tendenziell negative Auswirkungen. In Beziehungen, die unter Gleichen eingegangen werden, erhöht sich die Paarproduktivität hingegen!< Liebesbeziehungen @Work können also unter bestimmten Bedingungen die Leistung der Turteltäubchen steigern. Andere Untersuchungen zeigen, dass sich solche Partnerschaften positiv auf verschiedene „softe“ Faktoren wie Motivation, Jobzufriedenheit und Arbeitsklima auswirken (Quellen).

Wenn’s schief geht: sexuelle Belästigung & Kündigung?

Wenn die Liebe endet, kann das zu „Dissonanzen“ zwischen den Ex-Partnern im Büro führen. Vor allem wenn die private Trennung nicht einvernehmlich verlief. Zwei Untersuchungen der US-amerikanischen Society for Human Resource Management zeigen, dass sexuelle Belästigung verstärkt auftritt, wenn die Beteiligten zuvor eine „private Beziehung“ geführt haben. Dies kann juristische Konsequenzen für den Arbeitgeber nach sich ziehen, mit entsprechenden ökonomischen Risiken. Untersuchungen zeigen auch, dass die Wahrscheinlichkeit einer ungerechtfertigten Kündigung („Rache-Kündigung“) durch eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz steigt.

Dass dadurch tatsächlich ein ökonomischer Schaden entstehen kann, zeigt eine Befragung  britischer Unternehmen. Diese hat ergeben, dass den Unternehmen durch „issues related to office romances“ ein jährlicher Schaden von durchschnittlich 65.000 Pfund entsteht. Das liegt vor allem an den gerichtlichen Auseinandersetzungen bzw. außergerichtlichen Vergleichen aufgrund sexueller Belästigung, Diskriminierung und ungerechtfertigter Kündigungen.

Rechtliche Situation in Deutschland

Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz sind Privatangelegenheiten. Da hat der Arbeitgeber kein Mitspracherecht. Erst wenn die Leistung nachlässt oder der so genannte Betriebsfrieden – z.B. durch den übertriebenen Austausch von Zärtlichkeiten – gestört wird, kann der Chef abmahnen. Geregelt ist das aber unternehmensintern häufig nicht. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Gerichte unabhängig von Unternehmensregelungen hierzulande häufig im Sinne der Mitarbeiter urteilen, wie jüngst der Fall Wal-Mart gezeigt hat.

Fazit

Echte Liebesbeziehungen sind für die Arbeitsleistung in der Regel von Vorteil. Wird die Beziehung brüchig und fällt auseinander, kann das Auswirkungen auf die weitere Zusammenarbeit haben. Nicht jeder kann sich nach dem Beziehungsaus professionell verhalten. Für diesen Bereich könnte man ggf. Richtlinien finden.

Doch seien wir ehrlich: Nicht jede Beziehung ist zum Scheitern verurteilt, nicht jedes Ex-Paar geht schlecht miteinander um. Die beste Strategie für Unternehmen bleibt, seine Mitarbeiter wie erwachsene Menschen zu behandeln und sich, so weit es geht, aus deren Privatleben herauszuhalten. Wie seht ihr das?