Die Zukunft der Arbeit – freiberuflich?

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© cirquedesprit - Fotolia.com
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Ist das klassische Angestelltenverhältnis ein aussterbendes Arbeitsmodell? Eine Prognose von MBO Partners legt zumindest nahe, dass sich die Waagschale in den nächsten Jahren deutlich in Richtung Freiberufler bewegen wird – zumindest auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt.

Der Prognose zufolge wird der Anteil unabhängiger Arbeiter im privatwirtschaftlichen Sektor von derzeit etwa 12% auf über 50% im Jahr 2020 wachsen. Die Key Drivers der Entwicklung hin zu neuen Arbeitsmodellen, welche sowohl von Individuen als auch von Unternehmen immer selbstverständlicher angenommen würden, seien der Wunsch nach Flexibilität und Autonomie. 74% der von MBO befragten Freiberufler halten die Möglichkeit flexiblen Arbeitens für wichtiger als etwa die Höhe des Einkommens. Für 60% von ihnen besteht ein entscheidender Faktor darin, der eigene Boss zu sein.

Doch auch die Entwicklung von Online-Netzwerken und kollaborativer Technologien sei ein Motor für die Verbreitung flexiblerer Arbeitsmodelle. Online Communitys existierten schon heute quasi zu allen Interessensgebieten, Unternehmensbereichen und Qualifikationsrichtungen. Freiberufler nutzen diese zur Auftragsakquise, Unternehmen scouten hier Spezialisten für projektbasierte Arbeit. Physikalische Barrieren für ein Engagement externer Dienstleister spielen dank Cloud-Services und mobiler Endgeräte kaum noch eine Rolle.

Eine weitere Rolle hin zu mehr freiberuflicher Arbeit könnte die demografische Entwicklung in Dienstleistungsgesellschaften spielen. Gerade für ältere Menschen ist eine Wiedereingliederung in „klassische Arbeitsmodelle“ – etwa nach Jobverlust oder einer freiwilligen Auszeit – nicht immer ganz einfach. Freelancing bietet hier eine Alternative, die nicht nur aus der Not geboren sein muss, sondern auch den Bedürfnissen „reiferer“ Arbeitnehmer entgegenzukommen scheint. MBO zufolge sei gerade die Gruppe der über 55-Jährigen mit dem Status Freiberufler höchst zufrieden.

Einer Aberdeen-Studie zufolge wissen auch immer mehr Top-Unternehmen den wachsenden Experten-Pool von Freiberuflern zu schätzen. Dabei spielen für diese weniger finanzielle Aspekte – also Kostenersparnis – eine Rolle. Vielmehr versprechen sich die Unternehmen von der externen Expertise hochqualifizierter Spezialisten bahnbrechende Ergebnisse.

Ob in nicht einmal acht Jahren jeder zweite US-Amerikaner im privatwirtschaftlichen Sektor dem Angestelltenverhältnis den Rücken zugekehrt haben wird, darf sicherlich bezweifelt werden, angesichts der Tatsache, dass die Möglichkeiten freiberuflichen Arbeitens vor allem hochqualifizierten Menschen offenstehen. Die Tendenz ist gleichwohl vorhanden, wie auch ein Blick nach Deutschland zeigt: Laut dem Bundesverband der Freien Berufe (BFB) erreichte die Zahl der Selbstständigen in Freien Berufen hierzulande mit knapp 1,2 Millionen im Jahr 2012 einen historischen Höchststand – ein Zuwachs von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.