Sind Beschäftigte heute höheren Belastungen ausgesetzt als früher?

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Das legt zumindest die kürzlich erschienene Untersuchung „Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt“ des statistischen Bundesamtes nahe. Der Bericht zeigt, dass in vielen Bereichen die Bedingungen für Arbeitnehmer in den letzten 20 Jahren deutlich schlechter geworden sind. So hat sich etwa der Anteil der Nacht- und Wochenendarbeiter spürbar erhöht. Arbeitete letztes Jahr rund ein Viertel aller Beschäftigen auch samstags, waren es 1996 lediglich 18,8 Prozent. Zur gleichen Zeit erhöhte sich der Anteil der Nachtarbeiter von rund 7 auf knapp unter 10 Prozent.

Auch die jungen Beschäftigten haben es heute etwas schwerer als früher. Knapp ein Fünftel (19%) der 25- bis 34-jährigen Beschäftigten hatte 2011 lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag – gegenüber 10 Prozent im Jahr 1996.

Weibliche Arbeitnehmer fühlen sich der Untersuchung zufolge häufig belastet durch die sog. Gender Pay Gap. Denn Frauen verdienten 2011 im Durchschnitt noch immer 23 Prozent weniger als Männer. Positiv fällt allerdings auf, dass Frauen häufiger in hochqualifizierten Berufen tätig sind als Männer, nämlich 44 Prozent im Vergleich zu 41 Prozent. Hinzu kommt, dass Frauen immer häufiger auch unter den Führungskräften zu finden sind. Seit 1992 stieg deren Anteil von 26 auf 30 Prozent.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten ist mit 42 Stunden pro Woche im Vergleich zu früher relativ konstant geblieben. Interessant ist auch, dass knapp 90 Prozent der Beschäftigten angeben, sie seien mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Das steht in krassem Widerspruch zu der Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, über die wir berichtet hatten.

Alles in allem ist die Arbeitssituation für viele deutsche Beschäftigte noch relativ gut, insbesondere im Vergleich zur Situation in unseren Nachbarländern. Etwas weniger rosig sieht es derzeit für Jüngere und schlechter Qualifizierte aus. Zumindest in einzelnen Bereichen des Arbeitsmarktes scheint der Zeitvertrag die Festanstellung tatsächlich abzulösen. Allerdings ist anzunehmen, dass – angesichts des drohenden Fachkräftemangels – Beschäftige mittelfristig bessere Karten auf dem Arbeitsmarkt haben werden als bislang.