Endlich Ordnung im Büro: Ein Interview mit der Aufräumexpertin Edith Stork

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CC BY chaouki
CC BY chaouki

Edith Stork ist seit knapp 20 Jahren selbstständige Unternehmensberaterin und Trainerin für Büro-Organisation. Smartworkers hat ein Interview mit der Aufräumexpertin geführt.

Wie kommt man auf die Idee, als Aufräumexpertin für Büros zu arbeiten?

Vor mehr als 15 Jahren übte ich verschiedene Bürotätigkeiten aus und stellte dabei immer wieder fest, wie die meisten Kollegen arbeiteten: formal schlecht organisiert. Die Folge: immer wieder längere Suchzeiten. Arbeitsstunden lassen sich täglich nur einmalig vergeben, darum überlegte ich mir damals ein Konzept, das Abhilfe schafft.

Klare Strukturen am Arbeitsplatz wollen alle, die an einem Schreibtisch arbeiten; sie wünschen sich steten Durchblick, schaffen es aber oft nicht aus sich selbst heraus, diesen zu behalten. Für eine langfristig funktionierende Ordnung braucht es Kontinuität; diese wiederum setzt ein Ordnungssystem voraus, nach dem vorgedacht, aufgeräumt, sortiert und schnell gefunden wird.

Geschäftsleute in Büros wünschen sich tendenziell „Verschlankung statt Überfrachtung“. Leider haben aber viele Erwachsene verlernt, systematisch und diszipliniert Ordnung zu schaffen und – das ist entscheidend – aufrechtzuerhalten. Darum bedarf es einer kognitiven Anleitung. Diese gebe ich mit meinem System, das sich nun seit 1 ½ Jahrzehnten bewährt hat und somit zeitlos einsetzbar ist.

Von welchen Leuten werden Sie gebucht?

Querbeet – von allen Branchen in klein- und mittelständischen Unternehmen, Großunternehmen, Selbständigen, Privatpersonen – überwiegend selbst initiiert, manchmal auch als Geschenk von Partnern oder Familienmitgliedern. Manche buchen mich, weil sie mich in Interviews im Radio oder Fernsehen gehört oder gesehen haben und einfach neugierig geworden sind, wieder andere finden mich im Netz unter dem Stichwort „Ordnung“ und wollen unbedingt einen Beratungstermin mit mir als „letzte Rettung vor dem Akten-Untergang“.

Interessant ist, dass die Buchungen über all die Jahre ähnlich verteilt geblieben sind. Die Menschen haben bei all ihrer Unterschiedlichkeit in Lebens- und Arbeitsformen ein tiefes Bedürfnis nach Ordnung und wissen um die Notwendigkeit einer strukturierten Vorgabe und einer Anleitung, damit sie Bestand hat. Beides liefere ich – stets in guter Stimmung, in der Sache aber unnachgiebig, alle Ausreden kennend.

Gibt es Branchen, in denen es besonders chaotisch zugeht?

Nein, schaut man tief hinter die (Schub-)Laden, kann es überall auch einmal chaotisch zugehen. Entscheidend ist nicht der Stand des Chaos, sondern die Bereitschaft und das Einsehen, dieses möglichst abzuschaffen, im eigenen Interesse und natürlich in dem der Kunden.

Gibt es unterschiedliche Typen bei „Büro-Chaoten“?

So, wie es unterschiedliche Typen von Menschen gibt, finde ich natürlich auch unterschiedliche Typen „Büro-Chaoten“. Varianten vielgehörter Ausrufe: „Ich hab´s gleich“ über „Gestern war´s noch dort gelegen“ bis „Das hat meine Kollegin verlegt“ und „Ich komm vor lauter Stress nicht mehr zum Aufräumen“. Nicht zu vergessen die sich selbst gefallenden „Altpapier-Sammler“, die optisch erkennbares Chaos irrtümlich mit Kreativität gleichsetzen. Grundsätzlich gibt es von „Pseudo-Individualisten“ “ über „unbelehrbare Zunächst-Besserwisser“ bis hin zu „gedankenlosen Staplern“ alles.

Warum ist Ordnung im Büro so wichtig?

Ordnung mit System schafft nicht nur sichtbar Platz (sowohl rund um den Arbeitsplatz herum als auch im PC), sondern auch Freiräume, die für klares Denken und Handeln genutzt werden können. Die Konzentration auf Wesentliches setzt vielfach voraus, dass ein Umfeld mit klaren Strukturen geschaffen wird. Effizienz und somit Zeit- und Kostenersparnis werden heute im Berufsleben groß geschrieben – ein ordentlicher Arbeitsplatz trägt entscheidend dazu bei.

Was entgegnen Sie dem allseits bekannten Spruch „Ein Genie beherrscht das Chaos“?

Erst einmal lache ich. “Ordnung braucht nur der Dumme, das Genie beherrscht das Chaos“, so lautet der gesamte Spruch von Albert Einstein. Nicht jeder Satz einer Berühmtheit muss richtig sein oder eine stimmige Botschaft übermitteln. Betrachtet man das Chaos irdisch, hieße es, dass das Genie vielleicht prinzipiell in der Lage wäre, das Chaos zu bewältigen, aber es müsste unnötige Kraft vergeuden mit der Behandlung desselben. Das Überblicken des Chaos kann nicht effizient und erstrebenswert sein im Vergleich zu einer Ordnung. – Fazit: Diese Einstein´sche Aussage ist bei genauer Betrachtung heute nicht mehr als ein meist unreflektierter, lockerer Spruch, dazu noch tausendfach kopiert und zitiert, dadurch wird sie nicht ernstzunehmender. Da sind wir wieder bei den unterschiedlichen Typen von Büro-Chaoten, in diesem Falle bei den Selbstüberschätzern. Meist beherrscht das Chaos die sogenannten Genies.

Worauf muss ich achten, damit es in meinem Büro nicht chaotisch zugeht?

Achten Sie auf sich selbst und Ihre Gewohnheiten und trennen Sie sich von schlechten möglichst bald. Zauberformel : Entscheiden Sie sofort bei jedem Blatt Papier, dass auf Ihrem Tisch landet: Wo kommt es hin – zur Weiterbearbeitung oder Ablage? Also: nicht alles mehrfach in die Hand nehmen, nicht erst einmal weglegen und nicht auf späteren Zeitpunkt verschieben! Analog dazu Ihr Verhalten im PC überprüfen: Neues oder Ergänzendes nicht irgendwo hinspeichern, sondern gleich gezielt richtig ablegen, so dass es auch Kollegen in Ihrer Abwesenheit finden können.

Weitere Infos zum Thema Ordnung im Büro und den Seminaren unter www.a-p-dok.com oder www.ordnung.com

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