Workation Week: Einmal so arbeiten, wie andere Urlaub machen

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CC BY garryknight
CC BY garryknight

Bei der Workation Week sind Freiberufler, Projektteams, Doktoranden oder Gründer dazu eingeladen, eine Auszeit von den alltäglichen Arbeitsräumen zu nehmen und drei Tage lang in inspirierenden Umgebungen an euren Projekten zu arbeiten. Der Inhalt der Projekte spielt dabei keine Rolle: Während der dreitägigen Workation Week ist vom Entwickeln einer Geschäftsidee über künstlerische Tätigkeiten bis zum Abarbeiten von liegengebliebenem Aufgaben alles möglich. Smartworkers hat ein Interview mit Simon Blake geführt, der das Projekt derzeit in Berlin umsetzt.

Smartworkers
Worum geht es bei der Workation Week? Welche Idee steckt dahinter?

Simon Blake Die Workation Week ist meine kleine Initiative für schöneres Arbeiten. Kurz gesagt geht es darum, sich für ein paar Tage eine Auszeit im Grünen vom Büro zu nehmen und trotzdem seinen Job zu erledigen. Wobei man eigentlich sagen müsste, dass gerade durch den Tapetenwechsel die Arbeit für viele leichter von der Hand geht, weil die Locations der Workation Week helfen, den Kopf frei zu machen, sich zu konzentrieren und inspirierend wirken. Einer unserer Teilnehmer ist beispielsweise mit einem Stapel Bücher zum Thema „Steuerrecht für kleine und mittelständische Unternehmen“ im kleinen Schloss Babelsberg angekommen. Das war eine unserer Locations der letzten Workation Week, Teil des UNESCO Weltkulturerbes mit Blick in einen traumhaften Schlosspark und auf den Tiefen See. Da wird selbst das Thema Steuererklärung etwas angenehmer. Besonders gut kann man auf der Workation Week natürlich kreativ arbeiten: Ein Team von Designern hat zur Projektbesprechung einfach einen Spaziergang auf dem Panoramaweg durch Deutschlands nördlichsten Weinberg gemacht, einer weiteren Location der letzten Workation Week. Ich selbst habe Termine mit Geschäftspartnern auf die Workation Week gelegt und konnte meine Gäste bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse von Nikolskoe empfangen, das ist ein historisches Blockhaus das im 19. Jahrhundert oberhalb des Wannsees für den russischen Zar Nikolaus gebaut wurde. Eigentlich ist fast egal, was man zu tun hat, die Locations, an denen man arbeitet, machen einfach Spaß und geben den Teilnehmern einen Schuss extra Energie.

Smartworkers Was hat dich dazu veranlasst, die Workation Week umzusetzen?

Simon Blake Mein Job im richtigen Leben: Ich berate Unternehmen im Rahmen von Innovationsprojekten und biete außerdem methodische Trainings im Design Thinking an, einem Innovationsansatz aus dem Silicon Valley. Wer einmal mitbekommt, wie die Kollegen in Kalifornien arbeiten und welche Rolle eine inspirierende Umgebung auf Effizienz der Arbeit und Qualität der Ergebnisse haben kann, fragt sich, warum viele Unternehmen ihre Mitarbeiter bürotechnisch so mies behandeln und sich dann über mäßige Loyalität wundern. Mit der Workation Week wollte ich jenseits der Seminare und Workshops, die ich für einzelne Unternehmen veranstalte, den Beweis antreten, dass es nicht viel braucht, um aus dem alltäglichen Bürotrott auszubrechen und dass man den Sommer auch während der Arbeit ohne schlechtes Gewissen genießen kann. Gerade rund um Berlin, wo die Workation Week stattfindet, gibt es traumhafte Orte, die in kurzer Zeit erreichbar sind. Viele der Teilnehmer waren überrascht, dass man sich innerhalb von dreißig Minuten vom Berliner Hauptbahnhof in einen Weinberg oder auf ein Schloss am See „beamen“ kann. Häufig hat man innerhalb der Stadt längere Wege ins Büro.
Unter uns gesagt ist die Workation Week aber zum guten Teil auch deshalb entstanden, weil ich persönlich mal wieder ein paar schöne Sommertage mit befreundeten Kollegen und Geschäftspartnern verbringen wollte. Während meiner Studienzeit habe ich mehrere Jahre bei der Organisation von Beachvolleyballturnieren gearbeitet und so die Sommermonate komplett am Strand verbracht. Damals haben meine Freunde immer gesagt: „So wie du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen.“ Dieses Gefühl wollte ich mal wieder auffrischen.

Smartworkers Für welche Menschen eignet sich Workation, wer ist die Zielgruppe?

Simon Blake Eigentlich für alle, die ein ähnliches Gefühl bei der Arbeit haben wollen und die glauben, dass ein temporärer Perspektivwechsel ihrer Arbeit gut tut. Das können Freiberufler mit Laptop sein, oder Leute, die im Home Office arbeiten, aber auch Projektteams aus Unternehmen oder Studierende, die zum Beispiel an ihrer Abschlussarbeit schreiben. Die Teilnehmer müssen nur ihre Arbeitswerkzeuge mitbringen, die Workation Week liefert den Rest: Jeder Teilnehmer bekommt für seine Teilnahmegebühr (ab 33 € pro Tag) einen Arbeitsplatz mit Stromanschluss, Internetzugang und Zugang zu einem Farblaserdrucker über WiFi, Softdrinks, Kaffee und was zum Naschen über den ganzen Tag, dazu mittags die Auswahl aus mehreren leckeren Mittagstischen. Einen grandiosen Ausblick auf eine tolle Umgebung gibt’s obendrauf.

Smartworkers Welche Leute nehmen an der Workation Week teil?

Simon Blake Wir hatten letztes Mal von der Opernsängerin über TV-Produzenten, Unternehmensberater, Blogger, und Designer bis hin zu einem Therapeuten und einem Startup eine bunte und interessante Mischung von Teilnehmern, die sich während der Mittagspause und nach Feierabend lebhaft untereinander ausgetauscht haben. Die Altersspanne ging von Mitte zwanzig bis Anfang vierzig und es gab einen ganz leichten Überhang an weiblichen Teilnehmern.
Smartworkers: Was macht den Erfolg der Workation Week aus?
Naja, zunächst ist die Workation Week noch ein Experiment. Das Feedback der Pilotveranstaltung Ende Juni zeigt aber deutlich, dass die Teilnehmer von der Mischung, die während Workation Week entsteht, fasziniert sind und zwar in vielerlei Hinsicht: Die Mischung aus konzentriertem Arbeiten und kontemplativen Genießen, man könnte auch sagen Chillen. Aber auch die Mischung der unterschiedlichen Teilnehmer, Expertisen und Branchen ist für viele interessant gewesen. Zusammen mit dem Vorteil, dass man sich nach dem Einchecken auf der Workation Week um nichts mehr kümmern muss, außer um seine Arbeit, trägt sicher auch zum angenehmen Gesamtergebnis bei, das kulinarische Angebot und die Arbeitssituation wurden jedenfalls durchweg sehr positiv bewertet.

Smartworkers Wie glaubst du wird sich in Zukunft die Arbeitswelt verändern?

Simon Blake Das ist eine ziemlich große Frage, ich bin kein Trendforscher. Persönlich halte ich mich gern an dieses Sprichwort, das irgendjemand Schlaues mal gesagt hat: „Die einfachste Art, die Zukunft vorherzusagen ist, sie zu gestalten“. Die Workation Week soll, wenn alles weiter gut läuft, einen kleinen Teil zu der Vorstellung von guter Arbeit beitragen, die ich auch täglich in meinem richtigen Job miterlebe: Sowohl viele der Studierenden, die ich betreue, als auch viele Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Unternehmen und die freiberuflichen Geschäftspartner, mit denen ich zu tun habe, erledigen ihre Arbeit nicht in erster Linie, um Geld zu verdienen, sondern wollen eher dafür entlohnt werden, dass Sie etwas Sinnvolles tun. Aus meinem persönlichen Erleben findet da gerade bei den Jüngeren eine deutliche Werteverschiebung statt, die ganz neue Formen der Zusammenarbeit, der Entlohnung und eben auch des Arbeitsklimas und der Arbeitsumgebung mit sich bringen könnte. Ich glaube Spaß spielt dabei eine wichtige Rolle.

Smartworkers Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg mit der Workation Week!

Weitere Infos zur Workation Week und Anmeldung unter www.workationweek.de

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