Neue Co-Working-Projekte in Berlin

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CC BY Daniel Seiffert
CC BY Daniel Seiffert

Wir hören es immer wieder: Mobile Freelancer, die nur einen Laptop benötigen, haben mehr Freiheiten als 9-to-5-Büroarbeiter. Was dabei leicht vergessen wird ist, was den Laptop-Arbeitern fehlt: Kollegen. Klingt banal, doch wer tagaus, tagein im Arbeitszimmer, der eigenen Küche oder auch im Coffeeshop sitzt, dem fehlt der soziale Austausch, den eine Büroküche sonst bietet. Bei aller virtuellen Vernetzung fehlt häufig das ganz normale Geplauder.

Ein Luxusproblem, keine Frage, aber dennoch ein Problem. Die Lösung dazu heißt Co-Working. Was sich hinter dem neudeutschen Begriff verbirgt, ist simpel: nebeneinander, miteinander, zusammen arbeiten. „Co-Worker statt Kollegen“ heißt die Devise. Die bloße räumliche Nähe führt zum Austausch. Das macht nicht nur mehr Spaß, es findet sich auch häufig die Chance, gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Co-Worken kann man überall, ob zuhause, im Café oder in einer Firma, die ein paar freie Schreibtische hat.
Die Königsklasse aber ist der sogenannte Co-Working Space, ein Büro für die Bürolosen sozusagen, gerne mit Coffeeshop-Charakter. Neben netten Gesprächen und einer bequemen Lounge findet man hier auch die klassische Büroinfrastruktur, die selbst Freelancer gelegentlich brauchen: Kopierer, Locher, Fax.

Co-Working Spaces können alle möglichen Formen annehmen, vom Business-Center bis zur Kreativwerkstatt. Und sie sprießen derzeit in ganz Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Drei einschlägige Projekte möchte ich hier kurz vorstellen: Das Betahaus in Berlin-Kreuzberg ist der Inbegriff eines Co-Working Space: Ein modernisiertes Fabrikloft mit Platz für über 100 Kreativarbeiter, die sich in mehreren riesigen Räumen verteilen oder auch direkt vom hauseigenen Café aus arbeiten. Verfügbar sind feste und flexible Schreibtische, monatliche Mieten ebenso wie Wochen- oder Tagestickets.

In direkter Nähe zum Betahaus liegt das neu gegründete, wesentlich kleinere Studio70. Rund 15 Personen können in dieser Fabriketage in einem Neuköllner Hinterhof arbeiten. Sie sitzen in der Café-Lounge oder im Hauptraum, wo eine Wand mit einem großen Tape-Kunstwerk verziert ist, ein Küken, geklebt aus farbigem Klebeband. Atmosphärisch könnte man das Studio70 als eine Mischung aus Bürogemeinschaft, WG und Workshop beschreiben – die feste “Belegschaft” reicht von der Modedesignerin bis zu Journalisten und Beratern. Eine Besonderheit des Studio70 ist eine kleine Werkstatt – hier arbeiten die “Baustler”, die aus Hardware, Spielzeug oder Waschmaschinen kreative Neuschöpfungen bauen.

Wer die Sache mit dem Co-Worken erstmal in Ruhe ausprobieren will, dem sei das Hallenprojekt ans Herz gelegt. Frei nach dem Motto “neue Orte für neues Arbeiten” sind in diesem Verzeichnis Orte in ganz Deutschland (und darüber hinaus) gelistet, die den Bedürfnissen der mobilen Laptop-Arbeiter besonders entgegenkommen. Besonders schön: Auf Hallenprojekt.de ist auch gleich sichtbar, wer gerade an diesen Orten arbeitet, so dass es leichter ist, Verbündete zu finden. Die Orte reichen dabei vom Café über die erwähnten Co-Working Spaces bis hin zur Agentur, die ihre Schreibtische für Gäste öffnet. Kurz gesagt: Hallenprojekt zeigt Ihnen den Co-Working Space auch in Ihrer Stadt.

Neugierig geworden? Umfassende Infos zum Thema Co-Working gibt es derzeit vor allem auf englisch bei Wikipedia, im Co-Working-Wiki, in einer Reihe von Interviews mit den Gründern amerikanischer Co-Working Spaces sowie auf deutsch im Hallenprojekt-Blog. Natürlich gibt es auch eine Weltkarte des Co-Workings.

Über den Autor: Peter Bihr ist Social Media Stratege und Autor von Thewavingcat.com.