Analog und Digital neu gemischt: Peter Bihr im Gespräch über die Premiere des Atoms&Bits Festivals

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So ganz konnten die Organisatoren ihre Übernächtigung nicht verbergen, als sie am vergangenen Sonnabend um elf vor die rund 70 Teilnehmer des ersten Atoms&Bits Camps im Berlin-Kreuzberger IMA-Village traten. Am vorletzten Tag des einwöchigen Festivals war dem Team um Peter Bihr und Sebastian Sooth anzumerken, wieviel Arbeit ihnen in den Knochen steckte. Tatsächlich hatten sie in kaum zweieinhalb Monaten eine beachtliche Infrastruktur auf die Beine gestelllt. Neben der umfangreichen Web-Präsenz boten verschiedene Fabriketagen des IMA-Village sowie das benachbarte Betahaus reichlich Kreativ-Raum für die über 30 Workshops und Diskussionsrunden des Wochenendes – inklusive Berlins schnellstem W-Lan, selbstverständlich.

Fünf unterschiedliche Online-Netzwerke einmal auch physisch zusammenbringen, lautete das erklärte Ziel der Veranstalter. Und tatsächlich fanden sich die angereisten Netzpolitiker, Baustler, Co-Worker, Open Everything-Aktivisten, Kunst- und Kulturschaffenden per Handzeichen in den verschiedensten Arbeitsgruppen zusammen, die von den Ideengebern jeweils mit ein paar Worten vorgestellt wurden. Ob „Medialisierung der Bundestagswahl“, „Geschichte der Piratensender“, „Keramik ausdrucken“ oder das spektakuläre „Waschmaschinen-Upcycling“ – von digital bis robust analog reichte das spontane Programm, das zwar nicht unbedingt einem roten Faden folgte, aber den Teilnehmern in jedem Fall eine ganze Palette neuer Denkanstöße lieferte. Als sich gegen Mittag das Camp auf die einzelnen Sessions verstreute, fand schließlich auch Peter Bihr einen Moment Ruhe für eine erste Bilanz:

Atoms&Bits Camp im IMA-Village (CC BY Yajamesu)

JPS: Eine Woche Atom&Bits sind vorrüber. Wie lautet dein persönliches Fazit bislang?

PB: Bisher muss ich sagen: für etwas, das so derartig kurzfristig – wir hatten 10 Wochen – und dezentral organisiert worden ist, war das Feedback ziemlich großartig.

JPS: Welche waren die schönsten oder erfolgreichsten Events des Festivals?

PB: Ich muss gestehen, ich konnte gar nicht so wahnsinnig viel selbst besuchen. Was ich gehört habe, gab es eine sehr nette Lesung von Cory Doctorow’s Buch „Makers“. Das war eine sehr schöne Veranstaltung. Im Betahaus läuft jeden Tag eine Co-Working-Lounge, wo sich Leute treffen, parallel arbeiten und schon mal ausprobieren, wie es funktioniert. Vor allem aber findet viel Austausch am Rande des Events statt.

JPS: Welche Highlights gab es bislang bundesweit?

PB: Es gab in ganz vielen Städten Co-Working-Tage. Co-Working ist ja eines unserer Hauptthemen. Und es ist natürlich ganz schön, wenn man sieht, wie in Essen, in München, in Hamburg und, ich glaube, in sechs oder sieben weiteren Städten das ganze Thema publik gemacht wurde. Und das ist natürlich ganz schön, weil es so etwas von einer Bewegung kriegt.

JPS: Würdest du sagen, in Sachen Co-Working gibt es Unterschiede zwischen Berlin und den anderen Städten in Deutschland?

PB: Berlin ist insofern ein bisschen vorne, weil wir hier so viele Freiberufler haben. Das ganze Kreativumfeld ist hier sehr stark. Gleichzeitig sind die Mieten hier so niedrig, dass die Leute solche Co-Working-Spaces leichter aufmachen können.

Session-Board des Atom&Bits Camp (CC BY atoms and bits)

JPS: Das Camp, wie auch das gesamte Festival, will „Atome und Bits“ zusammenbringen. Was genau heißt das?

PB: Ich persönlich finde es immer sehr spannend, wenn sich diese Welten, die früher eher so getrennt waren in eine Online- und eine Offline-Welt, wieder berühren und zusammenkommen. Große Teile unseres Lebens sind organisiert über das Internet in irgendeiner Form. Wenn man aber die Brücke wieder zurückschlägt und auch Sachen echt verändert, dann macht es richtig Spaß. Das drückt sich z.B. aus in diesen ganzen Bastelprojekten wie Arduino.

JPS: Wer sind die Camp-Teilnehmer? Haben die sich auch unter der Woche am Festival beteiligt?

PB: Es ist netterweise eine ganz ganz bunte Mischung. Ich habe viele Teilnehmer vorher noch nie gesehen und die waren auch nicht auf dem Festival, was auch daran liegt, dass sie aus den unterschiedlichsten Communities kommen.

JPS: Wie geht es im nächsten Jahr weiter?

PB: Jetzt machen wir erstmal das Wochenende und schlafen uns am Montag aus, den ganzen Tag. Aber wir haben schon tatsächlich viele Fragen deswegen bekommen einschließlich Sponsorenanfragen. Darüber denken wir nach, wenn wir gesehen haben, wie das Wochenende gelaufen ist.

JPS: Vielen Dank und viel Erfolg!

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