Home Office: Bin ich der Typ dafür?
Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes BITKOM arbeiten 10 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland bereits regelmäßig im Home Office. Weitere 62 Prozent wünschen sich zumindest regelmäßige Home Office-Tage. Der Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden gilt vielen als Garant für zusätzliche Freiheit und eine bessere Integration der Familie.
Von der technischen Ausstattung und der Verfügbarkeit der Arbeitsmittel her gesehen, unterscheidet sich das Home Office (HO) heute praktisch in nichts mehr vom herkömmlichen Büroarbeitsplatz. Spätestens mit Unified Communications und den entsprechenden Collaboration-Tools stehen jedem DSL-Haushalt das volle Spektrum der Bürokommunikation und alle digitalen Datenbestände des Unternehmens zur Verfügung. Anrufe, die im Unternehmen ankommen, werden automatisch zum Home Office umgeleitet und im Idealfall bemerken Kollegen, Geschäftspartner und Kunden nicht einmal, dass von zuhause aus gearbeitet wird.
Dennoch ist das professionelle Arbeiten von zuhause eine Herausforderung, die man nicht unterschätzen sollte. Denn von der täglichen Büroroutine kann sich das Arbeitsklima in den eigenen vier Wänden massiv unterscheiden, ohne dass man das sofort merkt. Zusätzliche Freiheit muss in der Regel durch zusätzliche Disziplin erkauft werden und auch die besten Vorsätze können schleichende Veränderungen in der persönlichen Arbeitsweise nicht aufhalten.
Daher sollte sich jeder Einsteiger vor dem Gespräch mit dem Chef darüber klar werden, ob er oder sie überhaupt der richtige Typ für das Home Office ist. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Überlegungen zusammengestellt.
Die Check-Liste
Grundsätzlich verlangt das HO die Fähigkeit, Arbeit selbstständig zu organisieren. Arbeitsreihenfolgen müssen festgesetzt und realistische Timings mit den Ergebnisempfängern vereinbart werden. Das setzt eine besondere Sensibilität für die gesamte Wertschöpfungskette voraus. Teamfähigkeit heißt hier, genau mitzudenken, wer wann was von mir brauchen könnte. Verzögerungen müssen möglichst frühzeitig mitgeteilt werden. Ebenso muss jede Aufgabe vorab präzise geklärt werden. Im Home Office gibt es niemanden, der einem mal eben vormacht, wie es geht.
Ohne Disziplin kein Home Office. Denn die Arbeit zuhause bietet naturgemäß jede Menge Ablenkung. Nicht nur werden wir hier mit zahllosen Freizeitangeboten konfrontiert, wie etwa Fernsehen, Bücher oder der Gang in den Garten. Auch die übrigen häuslichen Pflichten machen der Arbeit Konkurrenz. Kinder wollen versorgt werden, Einkäufe müssen erledigt und der Haushalt in Schuss gehalten werden. In diesem Umfeld sein Pensum fristgerecht zu schaffen, setzt hinreichende Selbstkenntnis und einiges an Training voraus.
Berufserfahrung und fachliche Kompetenz ist für das Gelingen unerlässlich. Das Home Office ist nichts für den Berufsanfänger, der Anleitung braucht und seine sozialen Erfahrungen erst noch sammeln muss. Vor allem sind klare Qualitätsmaßstäbe unerlässlich. Denn schnell hat man mal einen halben Tag vor sich hingearbeitet, ohne dass einem Chef oder Kollege über die Schulter geblickt haben.
Mit der Zugehörigkeit zum Unternehmen wächst i.d.R. auch die Akzeptanz der Kollegen. Durch die bereits vorhandenen sozialen Bindungen bestehen seltener Vorurteile bzgl. einer Sonder- oder Außenseiterposition. Außerdem kann der möglichen Gefahr einer sozialen Isolation entgegengewirkt werden, die zurecht als größte Negativseite der Heimarbeit gilt.
Selbstverständlich setzt das Home Office ein überdurchschnittliches Technikverständnis voraus. Der versierte Kollege oder gar der Firmen-Admin sind einfach nicht um die Ecke. Und da die Internet-Verbindung in den eigenen vier Wänden über private Anbieter erfolgt, sollte man wissen, was zu tun ist, wenn die Datenleitung einmal streikt.
Zu guter Letzt: Home Office funktioniert nur, wenn sich die Mitarbeiter freiwillig für diese Arbeitsform entscheiden. Wer nicht die entsprechende Neugier mitbringt und schon von vornherein das Gefühl eines Verlustes mit sich herumträgt, wird sich in der Regel auch nicht auf die besonderen Anforderungen einstellen, die das HO stellt.
Reif für das Home Office?
Wer sich für diese Anforderungen gerüstet sieht, ist reif für das Home Office. Wer umgekehrt in diesen Punkten ehrlich zweifelt, wird auch seine Schwierigkeiten haben, den Chef zu überzeugen. Denn das Home Office ist letztendlich immer auch Ausdruck eines besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Mitarbeiter und Unternehmen.
Zum Glück ist die Arbeit von zuhause heute nicht mehr mit aufwändigen Investitionen verbunden. Frei von besonderem Rentabilititätsdruck können Mitarbeiter zunächst an einem einzelnen Wochentag in Ruhe herausfinden, ob es passt.









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