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Home Office: Wie sag ich’s meinem Chef?

27. Oktober 2009 Jan-Philipp Sonnenberg 5 Kommentare

CC BY  ME°°
Was sage ich meinem Chef, wenn ich lieber von zuhause aus arbeiten möchte? Diese Frage ist für die Mehrzahl der Deutschen hochrelevant. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes BITKOM arbeiten 10 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland bereits regelmäßig im Home Office. Weitere 62 Prozent aber wünschen sich zumindest regelmäßige Home Office-Tage. Einer Umfrage von Plantronics zufolge würden 53% der Deutschen am liebsten von zuhause arbeiten, wenn sie die Wahl hätten.

Home Office bewegt also die Gemüter. Dennoch bedarf es oft der persönlichen Initiative, um die Arbeit von zuhause auch am eigenen Arbeitsplatz in Gang zu bringen.

Für alle, die über den Schritt ins eigene Home Office nachdenken, haben wir im Folgenden die wichtigsten Argumente zusammengestellt. Und zwar für alle Beteiligten. Zu denen gehören nämlich nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch für die regionale Entwicklung bietet das Home Office möglicherweise Vorteile, die man kennen sollte.

Vorteile für Angestellte

Flexible Arbeitszeit: Wer jenseits des „9 to 5“-Schemas produktiver arbeitet, oder private Termine im Alltag unterbringen möchte, tut dies am besten zuhause. Für den Einzelnen braucht kein kompletter Bürotrakt offen gehalten zu werden und auch die fragenden Kollegenblicke entfallen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Tagsüber mehr Zeit für das eigene Kind oder sogar die pflegebedürftigen Eltern zu haben, ist eine echte Errungenschaft für berufstätige Ehepartner wie auch für alleinerziehende Arbeitnehmer. Das Home Office ist in dieser Hinsicht ein wichtiger Baustein einer aufgeklärten Familienpolitik.

Zeitgewinn und Einsparung von Fahrtkosten: Na klar. Der tägliche Pendlertrott im Auto oder öffentlichen Nahverkehr entfällt. Besser kann man sich Stress nicht sparen. Zudem bietet das Home Office behinderten Menschen neue Erwerbschancen.

Selbstständigkeit und Eigenverantwortung: Sich seine Arbeit selbst einzuteilen und sich auch zuhause zu motivieren, will gelernt sein. Aber wer das hinbekommt, genießt einen Arbeitstag ohne das Gefühl kontrollierender Blicke. Teleheimarbeiter sind Herr im eigenen Haus und Chef am eigenen Schreibtisch.

Angenehme Arbeitsatmosphäre: Jaaaaa! Frühstück am eigenen Schreibtisch und der Blick in den eigenen Garten setzen ganz neue Kräfte frei. Wer das Alleinsein generell schätzt und gut damit umgehen kann, wird im eigenen Heimbüro neue Maßstäbe für Effizienz und Kreativität entdecken. Versprochen!

Vorteile für Unternehmer

Höhere Produktivität: Sagen Sie es Ihrem Chef gerade heraus – das herkömmliche Büro ist ineffizient! Telefon, Meeting und Emails stören bei der Arbeit. Dazu der allgemeine Geräuschpegel und der lästige Flurfunk der Kollegen inklusive Gruppenrauchpause. Die Arbeit im Office durchlöchert das Hirn und raubt uns 20 Prozent unserer Kraft!

Steigerung der betrieblichen Flexibilität: Wer mit seinen Mitarbeitern Home Office-Zeiten vereinbart, kann mit ihnen auch flexiblere Arbeitszeiten vereinbaren. Spätaufsteher, die dafür bis 21.00 arbeiten, verbessern die Erreichbarkeit sowohl für Kunden als auch für andere Unternehmensstandorte. Besonders im Zeitalter globalisierter Unternehmen kommt es zunehmend darauf an, verschiedene Zeitzonen rund um den Erdball abzudecken.

Nutzung von Kreativitätspotenzialen: Das herkömmliche Büro geht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück und war bis zur Erfindung der EDV im wesentlichen eine tayloristisch optimierte Schreibfabrik. Heute gilt Innovation als Wachstumsgarant für das postindustrielle Europa. Aber wieviel Innovation gedeiht denn eigentlich in der üblichen Büroatmosphäre? Fragen Sie das ruhig Ihren Chef…

Einsparung von Raum- und Energiekosten: Das wohl schlagkräftigste Argument für den Chef. Home Office in Verbindung mit Desk Sharing (der flexiblen Nutzung von Bürofläche durch verschiedene Mitarbeiter) kann deutliche Einsparungen bringen. Schauen Sie sich doch mal in ihrem Büro um: Sind eigentlich alle Tische besetzt? Und selbst Teile des Firmenparkplatzes lassen sich einsparen…

Verbesserung des Arbeitgeber-Images und Senkung der Fluktuation: Home Office steigert die Attraktivität des Arbeitgebers. Zufriedene Mitarbeiter binden sich gerne ans Unternehmen. Weniger Neueinstellungen bedeuten auch geringere Einarbeitungskosten und eine Steigerung des Unternehmens-KnowHows.

Vorteile für die Region

Impulse für die Randgemeinden: Tagsüber verwaisen die Pendlersiedlungen. Dem lokalen Gewerbe fehlt die Laufkundschaft. Arbeitet aber ein bestimmter Bevölkerungsanteil von zuhause, hat es der Bäcker wieder leichter. Ein Zeitungsladen macht auf. Das Schlafquartier wird zum Wohnort.

Entlastung des Verkehrsnetzes und Schonung der Umwelt: Home Office reduziert den Anteil der Berufspendler und verringert dadurch Lastspitzen auf den Straßen und im öffentlichen Nahverkehr. Verkehrsstaus und Zeitdruck, typische Aggressionsquellen also, gehen zurück und produzieren entspanntere Menschen. Zudem spart das Home Office Energie und trägt zur Senkung der CO2-Emmissionen bei.

Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur: Flächendeckende DSL-Anbindung ist ein Riesenthema für Gemeinden und ländliche Regionen. Home Office bietet Telekommunikationsunternehmen zusätzliche Anreize, in die lokalen Netze zu investieren. Davon profitieren letztendlich alle.

Entschärfung der Wohnsituation in Ballungsräumen: Möglichst in Reichweite des Arbeitsplatzes zu wohnen, um Anfahrtszeiten zu verkürzen, ist ein natürliches Motiv, führt aber zu übermäßiger Verdichtung in den Arbeitszentren. Dadurch steigen die Mietpreise für Wohn- und Geschäftsräume gleichermaßen. Home Office bedeutet, die Arbeit in der Fläche zu verteilen und damit zu einer gleichmäßigen Entwicklung der Räume beizutragen. Mietpreise können sich entspannen.

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